Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
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Credit: Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert. Source: Wellcome Collection.
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![Dei allen Kulturvölkern des Altertums war die Heilkunde ein Attribut der Götter, ihre Ausübung lag (mit Ausnahme der Semiten) in den Händen der Priester. Die Medikation bestand in Opfern, Beschwörungen (Gebeten) und in der Anwendung von Arzneimitteln, die aber bei jedem Volke sich in mehr oder weniger eigentümlicher Weise entwickelte und ausprägte. Die Mittel waren teils Pflanzen, unter denen solchen von eigentümlicher Gestalt und auffallender Farbe eine besondere Kraft beigelegt wurde, teils tierische Stoffe, die häufig den erkrankten Organen entsprachen, allmählich kamen auch mineralische Substanzen hinzu. Der Priester oder der Beschwörer, der sich durch gelungene Kuren zum Medizinmann im Volksvertrauen emporgeschwungen hatte, war auch Bereiter der Arzneien. Nur ein Volk des Altertums steht in dieser Beziehung einzig da, das sind die Bewohner des Niltals, die Aegypter. Nirgends finden sich Religion und Heilkunde so miteinander verquickt als im Lande der Pyramiden. Im Kultus, einer Art Fetischdienst, hat jeder Gau seine besonderen, unter Tiergestalten verkörpert gedachten Gottheiten. Der Heilgott KarVfo/j/j/ ist der ibisköpfige oder hundsaffengestaltete Duhit (Thot, Hermesx), der 42 philosophische (darunter eine Arzneimittellehre) so- genannte hermetische Schriften verfasst hat2). Das unbestrittene Verdienst der Aegypter ist es wohl, die Heilkunde zuerst ausgeübt zu haben, und zwar tritt uns die Pharmakotherapie als Kunst fertig entgegen, da sie sich wegen der unter den eigenartigen Bodenverhält- nissen fehlenden Spontanflora nicht wie anderwärts aus einer Volksmedizin entwickeln konnte, sondern auf Kulturpflanzen und importierte Drogen ange- wiesen war. Wir finden in der Pharmazie als einer selbständigen Abteilung der Medizin das Prototyp unserer späteren Apotheke. Die Priester, als offizielles Heilpersonal, wurden in besonderen Inter- naten ausgebildet und mussten sich nach einer bestandenen Prüfung an die Tempelgemeinschaft und auf die dort bewahrten heiligen Bücher verpflichten 3). *) Fälschlich der griechische Hermes Trismegistos, da der ägyptische Ausdruck 5^=^ duhit ää ää (Thot gross gross) nur einen zweimal grossen Hermes >*=* kennt. 2) Vgl. Clemens Alex., Stromata, VT, 41; Galen, De fac. simpl., hält sie für albernes Zeug (hrJQOi). Unhaltbar ist die Meinung, der Papyros Ebers könnte zu jenen. Schriften gehören. Vgl. Pap. Ebers, S. 9. 3) Vgl. Herod., I, 132 sqq.; Diod. Sicul. I, 82; Aristot,, De repub]., HE, 15. Berendes, Das Apothekenwesen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


