Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
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Credit: Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert. Source: Wellcome Collection.
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![Pharmazeutische Technik. Die Anfertigung der Arzneien und der Räucherrezepte für die Götter geschah in einem besonderen Laboratorium, dem Hun-Zimmer asi-t-, wie Dümichen diesen Tempelraum nennt, der eine grosse Zahl von Gebrauchs- und Aufbewahrungsgefässen (selbst solche bis zu 1 m Höhe) enthält; auch finden sich im Papyros Ebers Zeichen für Zerstossen, Pulvern und Durch- sieben (neb, neker) von Drogen, für Infundieren (am-au), Kochen (pas), Mazerieren, Kolieren und Filtrieren1), den Heber sehen wir auf einem Grabgewölbe Thebens2). Sie geschah ferner nach bestimmtem Mass und Gewicht. Zum Abwägen benutzte man Handwagen und ein Instrument, das mit unserer Tarierwage grosse Aehnlichkeit hat3). Wie peinlich genau gearbeitet wurde, zeigen die Vorschriften für die Räucherwerke an den Tempelwänden zu Edfu, wo nicht nur der Abfall der Drogen beim Sieben, sondern auch das beim Kochen verdunstende Wasser bis ins kleinste in Rechnung gezogen wurde4). Als Richtschnur diente ein Codex medicamentarius, wie er sich im Ber- liner Papyros Brugsch, im Papyros Ebers u. a. darstellt6). Die Formulierung der Rezepte ist der heutigen ähnlich. Die Arznei formen sind vorwiegend der Trank mit Milch oder Bier, seltener das Elektuarium, und das Brötchen für unlösliche Mittel. Die Medikamente wurden auf einen [Monhemeron] oder mehrere Tage berechnet; manche tragen besondere Namen. Ferner die Inhalation6) und das Gurgel- mittel. Berühmt waren die ägyptischen Salben, so das Susinum, Mendesium, Metopium7); ferner benutzte man Klistiere, Tampons8), Einspritzun- gen, Vaginalkugeln, Salben, Pflaster, Kataplasmen und besonders Räucherungen. Von diesen hat das Kyphi bis in die späte Zeit seine Berühmtheit erhalten. Im grossen Osiristext aus Dendera9) besteht es aus 12, im Pap. Ebers10) aus 9 Ingredienzen: Myrrhe, Wacholderbeeren, Weihrauch, J) v. Oefele, Pharm. Centralh., 1895, Nr. 4. 2) Wönig, S. 275. Er man, Aegypter u. ägyptisches Leben, S. 279. 3) Abbildungen in den Totengerichtsszenen, Er man, 1. c. 4) Dümichen, Die Flotte einer ägypt. Königin, S. 19. 5) Sie sind um 1590 v. Ghr. niedergeschrieben in der hieratischen (heilige Gebräuche betreffenden) Schrift, die durch vielfache Verbindungen der Zeichen aus der Hieroglyphenschrift entstanden ist. Nach v. Oefele wurde das älteste Arznei- buch von Imhotep, dem Kanzler des Königs Zoser (Tosorthos), der Baumeister und Arzt war, verfasst, also noch einige Jahrtausende früher. 6) Die Spezies wurden auf heisse Steine und diese in einen Topf mit durch- bohrtem Deckel gelegt, auf die Oeffnung wurde ein Rohr gesetzt. Pap. Eb., Taf. 55. 7) Di ose, Mat. med., I, 71, 72. 8) Nach Diosc, 1. c. 115, Papyrosstücke, die man in einer Flüssigkeit quellen liess und dann wieder trocknete. 9) Recueil de monum. egypt. par H. Brugsch et J. Dümichen, Text S. 52. 10) Zeitschr. f. ägypt. Sprache u. Altertumsk., 1874, S. 3 u. 108.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


