Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
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Credit: Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert. Source: Wellcome Collection.
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![Ob und welcher Zusammenhang zwischen den beiden Berufsarten der Rhizotomen bestanden hat, ist nicht anzugeben. Zurückzuweisen ist die Meinung, dass die Rhizotomen Vorläufer der Apotheker gewesen seien, wie sie von Sprengel1) und Puschmann2) vertreten wird. Wellmann3) sagt von einer praktischen Tätigkeit der Rhizotomen nichts; Hergel4) spricht sie ihnen geradezu ab, hält sie aus- drücklich nicht für die Vorgänger der Apotheker5). Die damaligen Aerzte bereiteten die Arzneien selbst. In dem Pseudo- Hippokratischen Briefe heisst es ausdrücklich, Krateuas solle Pflanzen, soviel als möglich besorgen, die Säfte und Flüssigkeiten in Gläsern, die Blüten und Früchte in verschlossenen irdenen Töpfen verwahrt. Arzneien, deren An- fertigung zeitraubend und umständlich war, mussten in dem Iatreion vor- rätig gehalten werden6). Die ärztlichen Verhältnisse. Der Arzt im alten Hellas, iargög, „der Heilende, war hochgeehrt7); wenn über ihn ungünstig geurteilt wird und Plato zu der Aeusserung kam, „die Medizin schicke sich nicht für einen feinen Mann8), so gilt dies der grossen Zahl Charlatane, die durch ihr un- würdiges Benehmen den Spott der Menge herausforderten und den Stand heruntersetzten. Er gehört zu den Gewerbetreibenden ä^uiovQyoi oder er ist drmoouvwv (öffentlicher Diener bei Homer9), bei Aristophanes10) praktischer Arzt). Als gebildeter, wissenschaftlicher Arzt heisst er r*/Wr>j?, /apori^Wr»??, auch ctQxrttxToyixös 1X). Zur Ausbildung wählten sich die Schüler einen Lehrer, meist war es der Vater oder ein Verwandter (Asklepiade). Die Kranken wurden entweder besucht oder kamen zum Arzt in seine Klinik, icttgtiov, ütTQixöy, tQ-yuaTr^iov; sie war ein Baum mit grosser, offener Tür zum Einlassen des Tageslichtes, ausgestattet mit Betten, Instrumenten und Arzneimitteln in vorschriftsmässigen Behältern12). Die minderwertigen Iatreien waren Versammlungsorte für Müssiggänger13). Einige Aerzte gingen zeitweise oder auch andauernd auf Reisen, wobei 1) Sprengel, Gesch. d. Arzneik. I, S. 351, 555; Gesch. d. Bot. I, S. 100. 2) Alexander v. Tralles, I, S. 4. 3) Krateuas. 4) Die Rhizotomen, Programm d. K. K. Obergymn. zu Pilsen 1887. 5) Vgl. Berendes, Die Rhizotomen die Vorgänger der Apotheker? und das älteste Kräuterbuch. Apoth.-Zeitg. 1899, Nr. 15. 6) Hippocr. de dec. orn. 8. 7) Hom. II. XI, 514, iuTQog yag c<vt}q ndkX(Sv avrctgios ft'AA«»', denn ein Arzt wiegt viele andere Männer auf. 8) Vgl. Aristophanes, Die Wolken, 330; Hippocr., (F.) HI, S. 20, de vict. acut. I 44. 9) Od. XVII 383, Aristoph. Ach am. 1222. 10) Aristoph. 1. c. 1030. ) Aristot. Polit. III, 11; Plato Polit. 293; Weleker, Kleine Schriften m 230; Tt%v>] hat nicht den beschränkten Begriff, den wir mit „Kunst verbinden, sondern bedeutet auch die schöne freie Kunst, die Wissenschaft. 1L') Galen, Comment. in Hippocr. de officina med. K. XVII, 13, 678. ») Aelian, Var. hist. IH, 7, 3.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0041.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


