Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
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![Die Humoralpathologie der Hippokratiker gründet sich auf die Ansicht, dass der tierische Körper aus den vier Grundstoffen des Empedokles, Feuer, Erde, Luft und Wasser, besteht. Diesem entsprechen die vier Elementarqualitäten des Warmen, Kalten, Trockenen und Feuchten, die in ihrer Entwicklung im Körper zu den vier Kardinalflüssigkeiten: Schleim, Blut, gelbe und schwarze Galle führen. Von der gleichförmigen Mischung derselben hängt die Gesundheit ab. Dabei ist das belebende Prinzip die eingepflanzte Wärme (ro i'tupviov fttguöis) — gegen- über der erworbenen Wärme (ro kTiixirpov ftiQ/iöv), die dem Pneuma (jivtvpa} ent- spricht, der aus der Atmosphäre und durch die mit einer gewissen Wärme verbundenen Speisen in den Körper gelangenden Lebensluft. Jene vermittelt auch die Assimilation der Nahrungsmittel (die Nährstoffe werden geradezu als Brennstoffe [vnexxav/iara] bezeichnet)'), verarbeitet aber auch den Krankheitsstoff, bevor er aus dem Körper aus- geschieden wird. Der Heilerfolg ist nicht den Arzneimitteln allein zuzuschreiben, vielmehr ist der vornehmste Heilfaktor die Natur2) selbst, „vovaujy cpvoug iatgoi. äpiv- Qioxtrcu rj (pvag avrij tavrrj zog iqpödovg ovx ix öiavoir^q, die Natur ist der Krank- heiten Arzt; die Natur findet von selbst die Bahnen, nicht infolge von Ueber- legung 3). Als oberster Satz gilt: Zu nützen oder wenigstens nicht zu schaden4). Demgemäss spielt in der Hippokratischen Therapie eine her- vorragende Rolle die Diätetik, die Beschränkung bezw. Steigerung gewisser Nahrungsmittel je nach ihrer Assimilierbarkeit, sowie unter Rücksichtnahme auf das Alter, den Zustand, die besonderen Verhältnisse des Patienten u. s. w. In entsprechender Zubereitung werden sie auf Grund der Elementarqualitäten nach dem Prinzip Contraria contrariis gegeben. Wenn es heisst, dass man auch gelegentlich das gleiche tun soll, z. B. einen im Weggehen be- griffenen Saft unterstützen oder bei Ischiasschmerzen das Brenneisen an- wenden5), so haben die Homöopathen ebenso wenig Grund, Hippokrates als einen der ihrigen zu reklamieren, wie die Naturärzte wegen der betonten Heilkraft der Natur. Im Gegenteil, wo es darauf ankam, scheute man vor energischen Mitteln nicht zurück. Heilmittel. Diätetische Mittel. Sie waren sehr beliebt und zahlreich. Wein ver- schiedener Marken, Herkunft und Zubereitung, so mit Gewürzen behandelt als olvog svuid'tjg, mit Früchten als Myrten-, Wachholder- Wermut- u. s. w. Wein; auf die Hälfte oder ein Drittel eingekochter Most als Siraion bezw. Hepsema. Der Saft der unreifen Trauben, Omphakion6) wurde ausserlich angewandt. Honig mit Essig als Oxyglykon und Oxymeli, Honigaufguss Melikraton7) und Hydromel Wassermet. In grösstem Ansehen stand der Gerstenschleim, niioüvrig /i>Ad?, nTioävi] na^tia, *) Aphorism. I. 14. 2) yvotg die dem (menschlichen) Körper eigene Widerstandskraft gegen krank- hafte Einflüsse. 3) Epidem. VI, 5, 1. 4) Epidem. I, 2, 2. 5) Epidem. V, 7. 6) Omphakion ist auch der Saft unreifer Oliven. 7) Honig mit Milch oder Wasser.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


