Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
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Credit: Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert. Source: Wellcome Collection.
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![heute in Ansehen. Das Werk besteht aus fünf Büchern; das erste handelt von den Aromen, üelen, Salben, Bäumen und deren Säften (dnof), Harzen und Früchten; das zweite von den Tieren, von tierischen Arzneimitteln, von Getreidearten, Ge- müsen u. dgl.; das dritte von den Kräutern und Wurzeln und ihren (ausgezogenen) Säften (%vXlafjiaTtt) und den Samen, beginnend mit Rheum (qu) aus den Bosporus- gegenden; das vierte setzt das dritte fort und beschreibt die Schwämme und Pilze; das fünfte handelt von den Weinen und Mineralien, Erden u. s. w. Nach seiner Angabe1) beruhen die Beschreibungen auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen sowie auf übereinstimmenden Mitteilungen anderer; inwieweit die ersteren zutreffen, lässt sich schwer entscheiden; jedenfalls genoss dieser Teil des Werkes ein solches Ansehen, dass Galen in seiner Arzneimittellehre von den Kenn- zeichen der Mittel nichts sagt, sondern einfach auf die des Anarzabeers verweist2). Dioskurides behandelt die Gegenstände in der Art, dass er zuerst dieselben beschreibt mit Angabe der Synonyma3) (der Namen bei fast allen damals bekannten Völkern, beiden ägyptischen Priestern [Propheten], beiOsthanes und dem Pseudo- Pythagoras), dann kommen die Verfälschungen bezw. Prüfungen, die Wirkungen und endlich der medizinische Gebrauch. Von den Pflanzen hat sich ein Teil bisher nicht oder nicht sicher bestimmen lassen, da die Beschreibungen sich nur auf äussere Merkmale und Vergleichungen mit andern allgemein bekannten Gewächsen beziehen. Bei dem grossen Interesse, welches dies Werk für die Pharmazie hat, wäre es angebracht, auf den Inhalt näher einzugehen, ich muss mich aber da- mit bescheiden, auf die kommentierte Uebersetzung hinzuweisen4). Zwei Punkte nur möchte ich nicht unerwähnt lassen, zunächst die Reindarstellung des Woll- fettes, Oisypum, welches durch Liebreich als Lanolinum wieder zu Ehren gekommen ist. Dioskurides lässt die schweissfeuchte Wolle mit heissem Wasser tüchtig wiederholt auswaschen und auspressen; die Flüssigkeit wird mit einem Holzspatel kräftig gerührt, bis sich viel Schmutz und Schaum gesammelt hat, dieses wird mit Seewasser besprengt, das abgeschiedene, oben- auf schwimmende Fett wird abgenommen. Das Verfahren wird fortgesetzt, bis sich kein Schaum mehr bildet. Das gesammelte Fett wird mit Wasser ge- knetet, die Unreinigkeit dabei entfernt, bis dasselbe, an die Zunge gebracht, nicht beisst und fett und rein weiss erscheint. Das beste ist, sagt er, das ohne Seifenwurzel hergestellte. Weitere Vorschriften geben Aetios von Amida (6. Jahrh.), Paulus v. Aegina (7. Jahrb.), Nikolaus Myrepsos (13. Jahrh.). Dann wurde es ver- gessen; Valerius Cordus erst (17. Jahrh.) grub die Vorschrift desDioskurides wieder aus. Das Wollfett wurde vielfach gefälscht, den Apothekern war die um- ständliche Bereitungsweise sehr zuwider; so verschwindet es seit dem 18. Jahr- *) In der Vorrede. 2) Galen K. XI, pag. 794. 3) Ueber die Echtheit der Synonyma gehen die Ansichten sehr auseinander; Sprengel hält sie alle für echt, We 11 mann nur die griechischen der ersten Hand- schriftenklasse. Ackermann (Fabric. biblioth. graec, ed. Harless, IV, pag. 681), korrigiert seine frühere Ansicht von der Echtheit dahin, sie seien der lateinischen Schrift eines Apulejus entnommen und ins Griechische übersetzt. Vgl. hierüber Meyer, Gesch. d. Bot., II, S. 103 ff. *) Berendes, Die Arzneimittellehre des Dioskurides, 1902.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0061.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


