Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert.
- Berendes, Julius, 1837-
- Date:
- 1907
Licence: Public Domain Mark
Credit: Das Apothekenwesen; seine Entstehung und geschichtliche Entwickelung bis zum XX. Jahrhundert. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Harvey Cushing/John Hay Whitney Medical Library at Yale University.
78/392 page 62
![gaben nicht zu finden sind, war wohl derselbe, wie der der Aerzte. Wie der Name „Szandalani andeutet, bestand die Tätigkeit der Apotheker vor- wiegend im Handel mit Spezereien, unter denen das Sandelholz „szandal einen Hauptartikel bildete; durch die Einführung komplizierter Präparate in den Arzneischatz entwickelte sich das Gewerbe zu einer besonderen, vornehmlich dem Arzneiverkehr dienenden Berufsklasse. Der Umstand, dass so manche hervorragende Aerzte und Gelehrte Apothekerssöhne waren und dieses durch den Zusatz zum Namen „ben Szandalani, Apothekerssohn, als Beweis einer guten Familienabstammung anzeigten, lässt auf eine Achtung des Apotheker- gewerbes schliessen. Uebrigens hielten viele grosse Aerzte selbst Apotheken, wie Abahili und Ibn Algattan in Bagdad1). Die bedeutendsten Uebersetzer sind: Honain ben Ish'aq (Jo- hannitius) (809—873) aus Hira, Leibarzt des El Montewekkil; er übersetzte mit Stephanos, des Basilios Sohn, u. a. den Dioskurides, Galen, Hippo- krates; ferner dessen Sohn Ish'aq ben Honein und der Neffe Hobaisch ben Alhasan Alasam. Die vornehmsten, mehr selbständigen Schriftsteller sind: Abu Jussuf ben Ishaq el-Kindi, Alkindi (813—873), der Philosoph xar i%o%i]v der Araber, zu Bagdad. Von seinen 22 medizinischen Schriften ist nur eine bekannt geworden: „Liber de medicinarum compositarum gradibus investigandis. Darin fand die Lehre Galens von den Elementarqualitäten eine Er- weiterung in den hypothetischen Graden. Grad ist eine Steigerung (aug- mentum) der ersten Qualität über das Gleichgewicht (temperamentum) hinaus um eine volle Distanz. Es können auch Bruchteile (metae) angenommen werden, kleiner als Drittelgrade aber nicht, weil der Unterschied sonst nicht merklich hervortreten würde. Im temperierten Medikament haben wir 1 Teil Wärme und 1 Teil Kälte; im 1. Grade 2 Teile der überwiegenden und 1 Teil der gebundenen Qualität, im 2. Grade 4 Teile, im 3. Grade 8 Teile, im 4. Grade 16 Teile der überwiegenden Qualität. Dies gilt auch von den zusammen- gesetzten Mitteln2). Abu Musa Dschafar el Sofi, bekannt unter dem Namen Geber oder Gabir (699—765). Ein geborener Grieche (aus Tarsus?), trat er zum Islam über und lebte als Lehrer der Philosophie zu Sevilla. Er war der erste prak- tische Chemiker, der das hohe Wesen der Chemie wie auch ihre Grenzen zu würdigen wusste. „Die Kunst, sagt er in seiner Chemie3), „kann nicht in 0 Meyer, Gesch. d. Bot., HI, S. 123. 2) Lib. Alchindi, cap. 9 sqq., im Anhang zu Mesue jun. Venetiis 1558. 3) Was die Ableitung des Wortes „Chemie — es kommt zuerst bei Jul. Firmic. Maternus unter Konstantin d. Gr. (306—361) vor — betrifft, so mag es unbenommen bleiben, dasselbe von kerne oder chemi, Aegypten, wie das Land hieroglyphisch (Champollion, Grammaire egypt. I, 152, und bei Plutarch de Is. et Oisir., cap. 53) [xw^ay] schon heisst, herzuleiten. Wül man die weibliche Endung anhängen und sagen xWkijU °&er Wai so braucht man nur Ti%vr\, Kunst, zu ergänzen, um der Deutung Gehalt zu geben. Gildemeister will Chymie und Alchymie schreiben, weil xv^a Dei den Griechen nie anders als von der Metallver- edlung gebraucht sei. Vgl. Zeitschr. d. D. morgenl. Gesellsch., 1876, Bd. 30, S. 534.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21033973_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


