Volume 1
Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt.
- Bernhardt, M. (Martin), 1844-1915.
- Date:
- 1895-1897
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Credit: Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt. Source: Wellcome Collection.
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![stimmte Muskeln befallende, andere freilassende Liilimung im Peroneus- gebiet beobachtet wird, ist es wolil angebracht, über die Thätigkeit der einzelnen Muskeln das mitzutheilen, was physiologische Studien, be- ziehungsweise die Beobachtung pathologischer Vorkommnisse über deren Function festgestellt haben. Eine directe Beugung (Dorsalflexion) des Fusses kommt zu Stande wenn der M. tibialis anticus, der Extensor hallucis longus und digitorum communis longus (mit dem ]mr den äussersten Theil desselben darstellen- den M. peroneus tertius) gemeinsam in Thätigkeit treten. Der JM. tibialis anticus, allein wirksam, beugt und adducirt den Fuss, wobei er durch den Extensor hallucis longus unterstützt wird. Durch den M. extensor digi- torum longus werden die Basalphalangen der Zehen dorsalflectirt, der ganze Fuss gebeugt, aber zugleich abducirt: es hebt sich der äussere Fussrand, während durch die Thätigkeit des M. tibialis anticus der innere Fussrand gehoben wird. So kommt es, dass bei isolirter Tibialislähmung der noch dorsal- flectirte Fuss zugleich abducirt wird, da der M. extensor hallucis longus trotz noch so energischer Thätigkeit, die allmälig sogar seine Hypertrophie bedingen kann, den Ausfall des Tib. anticus nicht voll compensirt. All- mälig stellt sich der Fuss in dauernde Abduction und durch die antago- nistische Action der Plantarbeuger in Equinusstellung. Umgekehrt kann es bei längerer Lähmung des M. extensor digitorum communis zu einer dauernden Adductionsstellung des Fusses kommen, wobei der innere Fussrand dauernd gehoben, der äussere gesenkt und am Erdboden geschleift wird. Der M. peroneus longus beugt den Fuss plantarwärts imd ab- ducirt ihn. Zugleich senkt er den vorderen Abschnitt des inneren Fuss- randes durch Herabziehen des ersten JMetatarsalköpfchens: dabei springt der innere Knöchel vor und der äussere Fussrand wird gehoben. Ist dieser Muskel gelähmt, so wkd der Fuss bei der Plantarflexion adducirt: die Wölbung des Fusses nimmt ab oder schwindet, und der Fuss berührt mit seinem ganzen inneren Band den Erdboden. Dadurch entsteht ein- mal eine schnelle Ennüdung beim Gehen, sowie Schmerzen in der äusseren Knöchelgegend und am äusseren Fussrand, der heim Gehen andauernd in Contact mit der Bodenfläche kommt. Der M. peroneus brevis kommt ■bei der Bewegung der Beugung (Dorsalflexion) kaum in Betracht: er hebt zwar den äusseren Fussrand etwas, hauptsächhch aber abducirt er den Fuss. Der kleine gemeinsame Zehenstrecker, sowie der kleine Strecker der grossen Zehe unterstützen die Thätigkeit der gleichnamigen grossen Muskeln und ziehen zugleich die Zehen etwas nach aussen. Was die bei Peroneuslähmungen vorkommenden Sensibilitäts- störungen betrifft, so finden sich solche an der die äussere Hälfte der Wade bekleidenden Haut und an der lateralen Hälfte der Vorderseite des](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293880_0001_0424.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)