Volume 1
Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt.
- Bernhardt, M. (Martin), 1844-1915.
- Date:
- 1895-1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt. Source: Wellcome Collection.
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![nächst durch chirurgische Eingriffe (Entfernung von Fremdkörpern [Popper], Einrichtung von Luxationen, Anlegung fester Verbände, Nervennaht*) etc.) die Schädlichlieit vom Nervenstamm und seinen Aesten entfernt und so die Möglichkeit einer Erholung gequetschter, einer Wiedervereinigung getrennter Nerven angebahnt werden. Eine nach den nun schon mehrfach erläuterten Grundsätzen durchgeführte elektrotherapeutische Behandlung unterstützt und fördert die Bemühungen des Arztes nicht nur bei den rein traumatischen, sondern auch bei den- jenigen Lähmungen, welche als neuritische und als spinale erkannt worden sind. Ist man in der Lage, die ursächlichen Momente der bestehenden degenerativen Neuritis zu erkennen, so ist natürlich neben der directen elektrotherapeutischen Behandlung die Pernhaltung der ursächlichen schädlichen Momente beziehungsweise ihre Bekämpfung durch thera- peutische Massnahmen angezeigt. Alkoholikern ist der Genuss dieses Giftes unbedingt zu untersagen, bei Metall-(Blei-, Arsen-)Lähmungen sind die betreffenden Individuen von dem schädigenden Beruf etc. fernzuhalten, bei Diabetikern eine zweck- entsprechende Allgemeinbehandlung einzuleiten etc. Etwaige, oft sehr lebhafte Schmerzen (Alkohol-, Diabetes-, Puerperal- neuritis) sind mit den bekannten Anodynis (Antipyrin, Antifebrin even- tuell Morphium) wenigstens zeitweise zu behandeln, um den Kranken doch für einige Stunden Euhe zu verschaffen. Hat man das Bestehen eines Eückenmarksleidens festgestellt, so ist auf die Behandlung dieses natürlich die Hauptaufmerksamkeit zu richten. Ohne auf diese Dinge hier näher eingehen zu wollen, muss doch betont werden, dass, wenn man unter solchen Umständen von der Elektro- therapie Nutzen ziehen will, neben peripherischer Elektrisation der ge- Am N. iscliiadicus ist die Nervennalit nur selten ausgefüln-t worden. Bis zum Jalire 1885 wm-de nach einer Notiz Bowlby's unter 81 Fällen primärer Nervennalit die des N. iscliiadicus nur einmal gemacht. Der Erfolg war ein zweifelhafter. Seit 1885 ist (meines Wissens und nach Bowlby) nur der in der neuesten Zeit von Dallas-Pratt operirte Fall bemerkenswerth. Dieser Chu-urg nähte bei einem 16jälirigen Menschen eine an der hinteren Seite des rechten Oberschenkels unmittelbar unter der Gesässfurelie durch eine Ki'eissäge gerissene grosse Wunde, in deren Tiefe sieh auch der Stamm des N. ischiadicus durchrissen zeigte, zusammen. Nerv und Muskeln wurden gesondert vereinigt, nachdem noch vorher der centrale und peripherische Stumpf des ersteren gedehnt worden war. Abgesehen von einigen (trophischen) Geschwüren an den Zehen, kam innerhalb eines Vierteljahres etwa eine Heilung zu Stande, nur die Empfin- dung am Eiieken des Fusses und der Zehen war mangelhaft. Nähere Angaben über das Verhalten der Motilität, des elektrischen Verhaltens der gelähmten Muskeln, der Sensibilität fehlen leider. Immerhin scheint der Erfolg ein guter gewesen zu sein. »He left,« sagt der Autor, »hospital on the 8th of May with fairly good use of his leg, he had also got back the Sensation in all parts of the limb exeept the dorsum of the foot and toes.«](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293880_0001_0432.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)