Volume 1
Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt.
- Bernhardt, M. (Martin), 1844-1915.
- Date:
- 1895-1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt. Source: Wellcome Collection.
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![Beliiifs der Beliandlung ist bei sichergestellter Lues eine anti- syphilitische Cur einzuleiten. Bei traumatischen Aö'ectionen hat der Chirurg einzugreifen, und dass auch bei Neubildungen im Sacralcanal. wenn die Diagnose feststeht, die operative Chirurgie glänzende Erfolge erzielen kann, lehrt der hochinteressante Fall Laquer's. Mit L. Kehn entfernte er bei einem jahrelang schwer leidenden Manne eine etwa von der Mitte des Kreuzbeins bis in den Wirbelcanal hineinreichende, weiche, kleinfingerdicke Geschwulst (Lymphangioma cavernosum), welche extradural lag, weder mit den Wurzeln noch mit der Dura verwachsen war, aber Cauda equina und Dura stark nach vorn gedrängt hatte. Der Mann wurde fast vollkommen wieder hergestellt und arbeitsfähig. Auch durch eine consequente Behandlung mittelst Bäder, Elektri- sation, subcutanen Strychnininjectionen kann eine oft recht erfreuliche Besserung der Patienten herbeigeführt werden; dies lehren eigene und speciell A. Eulenburg's Erfahrungen, der bei einer 36jährigen Dame, trotzdem das Leiden schon viele Jahre bestand, namentlich durch An- wendung localer Faradisation und der oben erwähnten Mittel eine nam- hafte Besserung erzielte. Die schon oben (S. 387) erwähnten Versuche Ferrier's und Yeo's an Affen, welche übrigens nicht in allen Punkten mit den durch die Beobachtung verletzter oder kranker Menschen gewonnenen Daten übereinstimmen, lehren über diese Verhältnisse Folgendes: Die erste und zweite Lendenwurzel innerviren die unteren Bauch- muskeln. [Beugung des Oberschenkels und Contractionen des M. cremaster. welche Bewegungen beim Menschen sieher durch das erste imd zweite Lumbaisegment vermittelt werden,*) konnten durch Eeizung dieser Wurzeln beim Affen nicht erzielt werden.] Durch Eeizung der di-itten Lendenwurzel wurden die Mm. iliopsoas, der Sartorius, die Kniestrecker, durch Eeizung der vierten Wm-zel die Glutäi, Adductoren, die Knie- streeker und der M. peroneus longus in Thätigkeit versetzt. Die fünfte Wurzel erregte die Gesässmuskeln, die Beuger des Unterschenkels und alle Muskeln an der Vorder- und Eückseite des- selben, durch Eeizung der ersten Sacralwurzel kam Beugung des Unter- schenkels zu Stande. Contrahirt wurden die Wadenmuskeln, der lange Zehenstrecker und die Muskeln des Fusses, durch Eeizung der zweiten Sacralwurzel beugten sich die Zehen durch die Wirkung der Interossei. . '■•■) Vgl. die gegenüberstehende tabellaiisclie Uebersielit.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293880_0001_0438.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)