Volume 1
Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt.
- Bernhardt, M. (Martin), 1844-1915.
- Date:
- 1895-1897
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Erkrankungen der peripherischen Nerven / von M. Bernhardt. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by King’s College London. The original may be consulted at King’s College London.
78/452 page 66
![Pocken, ])iphtliei'ift derartige Zustünde wiederholt beobachtet worden. Ein ganz besonderes Interesse bieten niui aber diese Zustände von Ent- artungsreaetion bei bestimmten Ericrankungen centraler grauer Hirn-, respective Eückenmarkssubstanz dar. Schon oben wurde darauf hingewiesen, dass die motorisehen Nerven ihre trophischen Centren in der grauen Riiekenmarkssubstanz, specieil den ganghüsen Elementen der Vordersäulen halben. Von ihnen losgelöst fallen sie und mit ihnen die zugehörigen Muskeln der Degeneration anheim. Ist dies der Fall, so wird die Degeneration der Nerven und Muskeln sicher eintreten, Avenn die ürsprungsstätteji dieser Gebilde, wenn deren trophisclic Centren selbst durch irgend welche pathologische Processe zerstört werden. Diese schein- bar aprioristische Ansicht wird nun durch die Erfahrungen der Klinik in vollem Masse bestätigt. Als Typus derartiger Zustände kann die so- genannte spinale Kinderlähmung betrachtet Averden, als deren patho- logisch-anatomische Grundlage eine Myelitis vorwiegend der vorderen Abschnitte der grauen Substanz des Eiickenmarks anzunehmen uns mehr als ein Obduetionsbefund berechtigt. Und in der That sehen wir denn auch hier die elektrischen Erscheinungen sich so entwickeln, respective verlaufen, wie dies bei schweren peripherischen Lähmungen der FaU ist. Bekanntlich ist es ja auch das Fehlen der faradischen Erregbarkeit und die schneUe Abmagerung der gelähmten Muskehi, welche neben anderen hier nicht weiter abzuhandelnden Erscheinungen das Charakteristische der in ßede stehenden Krankheit ausmacht. Freilich ist es schwer, die elektrischen Erscheinungen von Beginn au zu verfolgen: nur wenigen Beobachtern mag dies vergönnt sein, und schwer ist es überhaupt, bei Kindern (aus leicht begreiflichen Gründen) genau elektrodiagnostisch vorzugehen; trotzdem steht fest, dass der schnelle Schwnand der indirecten Erregbarkeit für beide Stromesarten, die Herabsetzung der directen faradischen Erregbarkeit und in einigen früh untersuchten Fällen die erhöhte Erregbarkeit der gelähmten und direct mit dem constanten Strom gereizten Muskeln, sowie die Trägheit der Zuckungen, ferner die Umkehr der Formel von mehr als einem zuverlässigen Beobachter 2,'esehen und beschrieben worden ist (Salomon). Was für die spinale Kinderlähmung gilt, gilt auch für die als Poliomyelitis anterior acuta aufgefasste sogenannte acute atrophische Spinallähmung Erwachsener: auch hier unterscheiden sich die eventuell zu beobachtenden und ebenfalls von den verschiedensten Autoren beschriebenen elektrischen Erscheinuno-en kaum von denen, wie sie während des Ablaufes schwerer peripherischer Lähmungen vorkommen; desgicicheiL sind auch bei acuter Myelitis, bei der Anwesenheit von Neubildungen, durch welche centrale graue Sub- stanz zerstört ist, von zuverlässigen Autoren die besprochenen so eigen- thümliehen elektrischen Keactionserscheinungen beobachtet worden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293880_0001_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


