Ueber den Quärulantenwahnsinn : seine nosologische Stellung und seine forensische Bedeutung : eine Abhandlung für Aerzte und Juristen / von Eduard Hitzig.
- Hitzig, Eduard, 1838-1907.
- Date:
- 1895
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Credit: Ueber den Quärulantenwahnsinn : seine nosologische Stellung und seine forensische Bedeutung : eine Abhandlung für Aerzte und Juristen / von Eduard Hitzig. Source: Wellcome Collection.
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![Verrücktheit geworden ist. Man darf wohl sagen, dass sich die An- sichten über diese Krankheit zu der Zeit als Westphal schrieb, noch sehr wenig geklärt hatten und dass Westphal, wenn er auch durch jenen Vortrag wesentlich zur Anbahnung der Klärung beigetragen hat, doch vielleicht, wenn er später auf dieses Thema zurückgekommen wäre, Einiges an seinen kurzgehaltenen Aeusserungen zu modifiziren gehabt hätte. Von ganz anderen Voraussetzungen als die angeführten Autoreu, auch als Westehal, geht Ziehen1) aus. Ihm giebt der Zustand der Intelligenz das Eintheilungsprinzip für die Geisteskrankheiten über- haupt ab; er kennt demnach nur Psychosen ohne Intelligenzdefect und Defectpsychosen. Diesem Prinzip haben sich die einzelnen Formen unterzuordnen und so kommt es, dass eine Hauptgruppe der Psychosen ohne Intelligenzdefect in „intellectuellen Psychosen besteht, deren Gros gerade die verschiedenen Formen der Verrückheit ausmachen. Was Anderen als geistige Schwäche erschienen war, ist ihm nur Pseu- dodemenz; Intelligenzdefect oder Schwachsinn besteht in Armuth an Vorstellungen und associativen Verknüpfungen. „Wenn Jemand auf Grund einer Gehörstäuschung glaubt, ein Schatz von Millionen sei irgendwo für ihn verborgen, so enthält die Halluzination wenigstens noch eine Motivirung dieser Grössenvorstellung, und ist letztere daher nicht schwachsinnig. Wenn Jemand unter einer Volksmenge steht und den Gruss des vorüberreitenden Kaisers speziell auf sich bezieht und sich deshalb für den Sohn des Kaisers hält, so liegt wiederum eine Motivirung vor, und auch diese Grössenidee kann nicht als schwach- sinnig bezeichnet werden. 2) „Vorbedingung für jede Systematisirung von Wahnvorstellungen ist eine gewisse Höhe der geistigen Entwicklung. Schwachsinnige concipiren wohl auch Wahnvorstellungen, aber ihr Intelligenzdefect hindert meist jede Systematisirung derselben. Massstab für das Vorhandensein oder Fehlen geistiger Schwäche ist dem Autor daher der Grad des Erhalten seins der äusseren Form des Ueberlegens, man könnte sagen der äusserlichen Cohärenz des Denkprozesses. Hiernach versteht es sich ganz von selbst, dass die Verrückter], namentlich die verrückten Quärulanten, nach Ziehen niemals schwach- sinnig sein können, selbst nicht im vierten Stadium, dem Stadium der „Pseudodemenz. „Dann hält der Kranke auf Befragen noch an seinen Wahnvorstellungen fest: er ist noch Erfinder oder Messias oder Fürst 1) Ziehen. Psychiatrie. 1894. S. 270. 2) Ziehen a. a. 0. S. 105. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21293946_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


