Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby.
- Christoph Theodor Aeby
- Date:
- 1880
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Credit: Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby. Source: Wellcome Collection.
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![bezüglichen Stelle zu ersehen wäre, in wiefern er diesem Befunde eine allge- nieinere Bedeutung zuschreibt. Den richtigen Tlmtbestaud meldet in neuester Zeit Krause'). Jedenfalls wird von nun an von einem steilern linken Bron- chus bei überhaupt normal(Mi Verhältnissen nicht mehr die Rede sein können, und damit ist eine erwünschte Uebereinstimmung der Anatomie mit der prak- tischen Medizin gewonnen, deren Erfahrungen bei der Laryngoscopie und ])eim Eindringen von fremden Körpern in die Luftwege sich wenig mit der bisher herrschenden, nun freilich auch als falsch erkannten Lehre vertragen wollten. Man könnte vielleicht in die Beweiskraft der von mir verwendeten Me- tallausgüsse Zweifel setzen wollen. Auch liegt es auf der Hand, dass sie nur dann auf etwelche Glaubwürdigkeit Anspruch zu erheben haben, wenn eine ge- wisse Gewähr vorhanden ist, dass die bestehenden Verhältnisse durch das Ge- wicht des einströmenden Metalles entweder gar nicht oder doch nur in ganz unerheblichem Maasse verändert werden. Meines Erachtens liegt eine solche schon an und für sich in dem ganzen Aussehen des Bronchialbaums und in der grossen ßegelmässigkeit seines Aufbaues, abgesehen davon, dass sich schwer- lich ein Grund dafür finden Hesse, weshalb der rechte Bronchus in ganz ent- gegengesetzter Weise von dem Metallgewichte beeinflusst werden sollte als der linke. Glücklicherweise besitzen wir in dem Bronchialbaum eines Erwachsenen (No. 8 der Zahlentabelle und Taf. IX. Fig. 20) einen Fall, der wohl geeignet ist, die aufgeworfene Frage unmittelbar und mit der wünschenswerthesten Be- stimmtheit zu beantworten. Die linke Lunge eines 34jährigen Mannes enthielt in ihrem obern Lappen eine mit mehreren Bronchialröhren zusammenhängende Caverne, welche sich auf das Vollständigste mit Metall gefüllt hatte. Die Aus- füllungsmasse lag entschieden zu tief. Sie war nach vorn übergesunken. Ich lasse es dahingestellt, ob wir es hier mit einem durch den Krankheitsprozess herbeigeführten Zustande oder aber mit einer mechanischen Wirkung des zu einem mächtigen Klumpen angehäuften Metalles zu thuu haben. Sei dem, wie ihm wolle, so verliert die Thatsache nicht an Werth, dass der betreffende Stammbronchus ausserhalb der Lunge seine Stellung nicht verändert hatte. Er verlief genau so, wie in den übrigen Lungen und seine in die Caverne eintre- tenden Nebenäste verliessen ihn in plötzlicher winkliger Abknickung. Darin liegt jedenfalls ein Beleg dafür, dass der Bronchialbaum in der Gegend der Lungenpforte fixirt ist, und zwar wohl offenbar durch jene von v. Teutleben ') genauer als Ligg. suspeusoria diaphragmatis beschriebenen Bandstreifen des Mediastinum, die beiderseits von den untern Hals- und obern Brustwirbeln in Form verdickter Züge der Fascia praevertebralis entspringen, um seitlich vom Herzbeutel und in inniger Verbindung mit ihm nach abwärts bis zum Zwerchfelle zu ziehen, nachdem sie zuvor die Lungenwurzel gleichsam in sich eingeschaltet haben. Wir sind daher gewiss berechtigt, unsern Ausgüssen be- züglich ihrer Beweiskraft für normal bestehende Verhältnisse ein volles Ver- trauen entgegenzubringen. 1) W. Krause, Handbuch der menschlichen Anatomie. Hannover, ISTtt. Bd. II. S. 428. 1) V. Teutleben, Die Ligg. siispensoria dinpiiragmatis des Mensclien. Aroliiv f. Ana- tomie xind Physiologie. Anatom. Abth. 1877.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22267311_0066.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


