Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby.
- Christoph Theodor Aeby
- Date:
- 1880
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Credit: Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby. Source: Wellcome Collection.
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![Die fast vollständige Symmetrie der beiderseitigen liy])artcriellen Gebiete ist obne Weiteres ersichtlich. Sie wird nur dadurcli etwas beeinträchtigt, dass die Seitenbronchen der linken Seite durchschnittlich um wenige Millimeter tiefer stehen, als diejenigen der rechten. Individuell kommen freilich Ausnahmen von dieser Regel vor, so bei dem 51jährigen Weibe (No. 2) für den ersten, bei dem 34jährigen Mann für den vierten hyparteriellen Bronchus. Die Entfer- nung des 1. Ventralbronchus von der Theilungsstelle der Trachea entspricht etwa dem dritten Theile ihrer Länge. Ein ebenso grosser Zwischenraum trennt ihn von dem vierten. Am auffalligsten benimmt sich der bloss rechts vorhandene eparterielle Bronchus. Im Durchschnitt sehen wir ihn fast genau die Mitte zwischen der Trachea und dem 1. hypart. Ventralbronchus einnehmen, von beiden um beiläufig 2 cm entfernt. Wir sind um so mehr darauf angewiesen, diese Stellung als die typische anzusehen, als sie von allen Individuen unsrer Ta- belle bis auf zwei eingehalten wird. Diese zwei fallen nun freilich gar sehr und dazu noch in entgegengesetzter Richtung ins Extrem. Der eine (No. 12. — Taf. X. Fig. 25) verlegt den betreffenden Bronchus tief nach unten in die Nähe des 1. hyparteriellen Astes, der andere (No. 1. — Taf. IX. Fig. 21) so weit nach oben, dass er mit der Trachea selbst zusammentrifft. Dass beide verschiedenen Geschlechtern angehören, ist wohl nur Laune des Zufalls. Wie verschieden dabei das Gepräge des Bronchialbaums ausfallen muss, liegt auf der Hand. Es kommt also individuell auch beim Menschen jene hohe Wande- rungsfähigkeit noch zur Geltung, welche wir als auszeichnenden Charakter des eparteriellen Bronchus in der Thierwelt getroffen haben. Dieser hoch nach oben verschobene eparterielle Bronchus entspricht offenbar dem »accessori- schen« Bronchus von Henle') und ist Veranlassung geworden, dass neben der regelrechten Zweitheilung von einer abnormen Dreitheilung 2) der Trachea geredet wird. Wie wenig beide Ausdrucksweisen dem wirklichen Sachver- halte entsprechen und wie sie nur geeignet sind, ganz irrige Vorstelhmgeu zu wecken, bedarf nach allem, was bereits über die Architectur des Bronchial- baums gesagt worden ist, keiner weiteren Erörterung. Solche Fälle sind übri- gens noch dadurch von besonderem Interesse, dass sie die Symmetrie der beiden hyparteriellen Gebiete auch für das ungeübte Auge mit besonderer Schärfe zur Geltung kommen lassen. Der gegenseitige Abstand der hyparteriellen Aeste verdient gleichfalls er- wogen zu werden. Ich habe dafür folgende absolute Werthe in mm erhalten. 1) Henle, Handbuch der systematischen Anatomie. 2. Bd. S. 268. Braunschweig 186(1. 2) FÖRSTER, Handbuch der pathologischen Anatomie. 2. Bd. S. 310. Leipzig 1863. »Theilung der Trachea in drei Bronchialstämme, meist zwei rechte und einen linken, bei übri- gens normal gebauten Individuen.« Sollte wirklich, wie das »meist« anzudeuten scheint, eine Abweichung von dieser Anordnung jemals vorgekommen sein? — Die Wahrscheinlich- keit ist nicht eben gross.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22267311_0070.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


