Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby.
- Christoph Theodor Aeby
- Date:
- 1880
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Credit: Der Bronchialbaum der Säugethiere und des Menschen : nebst Bemerkungen über den Bronchialbaum der Vögel und Reptilien / von Chr. Aeby. Source: Wellcome Collection.
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![Für die Lungen besteht diesen Zahlen zufolge kein anderer Geschlechts- unterschied als derjenige der absoluten Grösse. Sie sind beim Weibe im Durchschnitt fast genau um ein Viertel weniger umfangreich als beim Manne. Den Werth der linken Lunge finden wir um 15 Proc. kleiner als denjenigen der rechten, was dem allgemein angenommenen Verhältnisse von 11 : 10 so nahe steht, als man es bei den beträchtlichen individuellen Schwankungen nur erwarten kann. Wichtig ist in dieser Hinsicht, dass die linke Lunge keines- wegs immer hinter der rechten an Ausdehnung zurückbleibt, dass sie vielmehr individuell unter Umständen grösser gefunden wird, wo nichts zu der Annahme pathologischer Veränderungen berechtigt. Auf der andern Seite kommen hin- wiederum Fälle von auffallender Kleinheit vor, so dass sich in unsern Tabellen die Extreme ziemlich genau das Gleichgewicht halten dürften. In die linke Lunge theileu sich die beiden Lap])en durchschnittlich beinahe gleichmässig, ohne individuelle Abweichungen in entgegengesetzter Richtung auszuschliessen. Es kann der obere, wie der untere Lappen seinem Genossen weit überlegen sein. Von der rechten Lunge nimmt der untere Trappen beinahe die volle Hälfte für sich in Anspruch. Die andere Hälfte kommt dem obern und mittlem Lappen zu Gute, wobei dem letzteren freilich übel mitgespielt wird. Er ist ausnahmslos der kleinste von allen, während zwischen oberm und unterm Lap- pen individuell wiederum das Grössenverhältniss zu Gunsten des erstem sich so weit umkehren kann, dass er dem letzteren, wenn auch nicht gerade um sehr viel, doch immerhin entschieden überlegen wird. Je umfänglicher er ausfällt, um so stärker drängt er natürlich den mittlem Lappen nach unten, während dieser um so höher aufsteigt, in je engere Grenzen jener gebannt wird. Die verschiedene Steilheit im Verlaufe der Seitenbronchen, von der schon früher die Rede gewesen, ist die nothwendige und natürliche Folge dieser schwankenden Verhältnisse. Ich mache noch ausdrücklich darauf aufmerksam, dass beim Erwachsenen in der Vertlieilung der Lungensubstanz ein Eiufluss des Alters nicht bemerklich ist. Dem Gedächtnisse kommt zu Hülfe, dass die beiden Lappen der linken und der untere Lappen der rechten Lunge relativ mit ungefähr je der Hälfte ihres Organs der Masse nach einander gleich werthig sind. Von jüngern Altersstufen ist in meinen Beobachtungen nur diejenige des Neugcbornen, der geathmet hatte und dessen Lungen daher lufthaltig waren, mit einer grössern Anzahl von Individuen vertreten. Ich berechne diese zunächst auf ein einheitliches Mittel, das mit den vereinzelten Individuen der übrigen Stufen in eine Reihe zusammengestellt werden kann. Da selbst beim Erwach- senen Geschlechtsunterscliiede typischer Art fehlen, so halte ich es für über- flüssig, Knaben und Mädchen zu trennen. Alle Lungen waren vollkommen lufthaltig und bestanden die Lungenprobe mit Erfolg.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22267311_0091.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


