Kritische Psychiatrie : Kantische Studien über die Störungen und den Missbrauch der reinen speculativen Vernunft / von Max Herz.
- Date:
- 1895
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Credit: Kritische Psychiatrie : Kantische Studien über die Störungen und den Missbrauch der reinen speculativen Vernunft / von Max Herz. Source: Wellcome Collection.
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![b) Die Kelation der falschen Urtheile. 1. Wie wir gesehen haben, wird durch die Modalität eines Urtheiles nichts zu dem Inhalte desselben hinzugefügt; sie misst nur die Festig- keit, mit welcher Subject und Prädicat miteinander verbunden sind, und damit die Bestimmtheit, welche das Bewusstsein seiner Erkenntnis zu geben wagt. Dadurch nehmen die Kategorien der Modalität den übrigen 3 Arten gegenüber (Quantität, Qualität und Eelation) eine Sonderstellung ein. Diejenigen der Quantität und Qualität fasste Kant als mathe- matische, diejenigen der Relation und Modalität als dynami- sche zusammen. Da wir mit der Modalität, welche uns die allgemeinsten Gesichts- punkte für die Eintheilung der falschen Urtheile zu bieten schien, begonnen haben, wollen wir jetzt die Relation als die der Modalität am nächsten stehende Verstandesfuuction an den falschen Urtheilen untersuchen. Kach der Relation werden die Urtheile eingetheilt in: 1. kate- gorische, 2. hypothetische und 3. disjunctive. Im kategorischen Urtheile sind nur zwei Begriffe als Subject und Prädicat mit einander verbunden. Das Verhältnis des Prädicates zum Subjecte kann zweierlei sein: 1. Das Prädicat ist ein Ding für sich und wird nur in einen gewissen Zusammenhang mit dem Subjecte gebracht (Synthese) oder es ist 2. das Urtheil nur eine Erklärung des Subjectes, so dass sich das Prädicat als eine Eigen- schaft des Subjectes darstellt (Analyse). Hypothetisch wird die Realität eines Urtheiles von derjenigen eines andern abhängig gemacht. Es wird damit nichts Thatsächliches ausgesagt, weil die Realität des Vordersatzes unbestimmt gelassen wird. Das hypothetische Urtheil stellt nur die logische Zusammengehörigkeit zweier Gedanken fest, u. zw. so, dass der eine als der bedingende, falls er realisirt wird, den zweiten als unmittelbare Folge nach sich zieht. Das disjunctive Urtheil theilt den Umfang einer Erkenntnis in zwei oder mehrere sich vollkommen ausschliessende und diesen Um- fang erschöpfende Urtheile und betont durch ein Entweder — oder die Wirklichkeit eines derselben, entscheidet aber nicht, welches aus- schliesslich als real anzuseheu sei. Der Relation der Urtheile entsprechen die Kategorien der Relation; der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens) der Gausalitat und Dependenz (Ursache und Wirkung) der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem Han-_ delnden und Leidenden). [Wirkung und Gegenwirkung]. Die Kategorien der Relation haben also ebenso wie die der Mo- dalität Correlate. Es ist dies ein Merkmal der dynamischen Kate- Dr. Herz, Kritische Psychiatrie. 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21918181_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


