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Credit: Naturwissenschaft und Psychologie / von Wilhelm Wundt. Source: Wellcome Collection.
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![e. Die Selbständigkeit der Psychologie ein Postulat der mechanischen Naturlehre. Jenes negative Kriterium der Elimination des Widerspruches hat nun aber zugleich einen weiteren positiven Erfolg mit sich geführt. Indem sich die Bewegung im Raum als der einzige widerspruchslos gegebene Inhalt der objektiven Erfahrung herausstellte, ließ die neuere Physik die Frage nach der Natur und nach den Beziehungen der subjektiven Elemente der Wahrnehmung völlig dahingestellt. Hiermit waren diese von selbst einer besonderen, von der Physik spezifisch verschiedenen, sie aber zugleich in der Erforschung des Gesamtinhaltes der Erfahrung er- gänzenden Wissenschaft zugewiesen: die Psychologie. Daraus ergab sich ein weiterer Gegensatz zur aristotelischen Naturlehre. Dieser waren, gemäß der allumfassenden Bedeutung ihres energischen Grundgedankens, die Seelenvermögen die höchsten Stufen der Naturordnung selbst, die Psychologie war ihr daher der Abschluß der Physik gewesen. Die neue mechanische Naturlehre scheidet scharf beide Gebiete als solche, die einer verschiedenen Betrachtungsweise der Dinge, oder die, wie man es statt dessen zunächst auszudrücken pflegte, spezifisch verschiedenen Be- standteilen der Erfahrung angehören. Mochte auch unter der Nach- wirkung der antiken Atomistik, und zum Teil wohl auch des aristote- lischen Einheitsgedankens, in der naturalistisch gerichteten Philosophie der Versuch das psychische Geschehen dem mechanischen Naturbegriff ein- zuordnen, immer von Zeit zu Zeit wiederkehren, der Naturwissenschaft als solcher lagen solche Gebietsüberschreitungen ferne; und auch die Philosophie hat sich in ihren vorherrschenden Richtungen von ihnen^ frei gehalten. Wohl aber führte hier das Vorbild der naturwissenschaftlichen ^Yeltanschauung zu einer die Einheit der Erfahrung willkürlich aufheben- denj zum Teil auf alte platonische Vorstellungen von halbmythologischem Charakter zurückgehenden Begriffsscheidung. Der Materie stellte die ]S^.rM'anische Philosophie die Seele als ein vöiTjener spezifisch ver- SäH?.45-^es, doch gleich ihr beharrendes objektives Substrat der seelischen Vorgänge gegenüber. So entstand, als ein auf das Geistige übertragener Atombegriff, der.^subs_tantie^^ der neueren spekulativen Psychologie, in den dann überdies noch aus der aristotelischen Energetik die Begriffe der Seelenvermögen teilweise herübergenommen wurden Immerhin blieb in allen diesen Bestrebungen das von der mechanischen Naturwissenschaft gewonnene Prinzip maßgebend, als objektiv begeben ausschließlich, diejenigen Elemente der Erfahrung anzuerTelTi^n 'die |ielLl£_aUer VVahrnehmung widerspruchslos als gegeben be- haupten. Man ersieht hieraus, wie sehr später die Kritik Kants als WuNDT, Naturwissenschaft u. Psycholo.jic. 2. AuH. '](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21296327_0037.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)