Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie.
- Wilhelm Ebstein
- Date:
- 1899
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Credit: Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie. Source: Wellcome Collection.
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![4. Yerlauf, Dauer, Ausgange und Nachkrankheiten. Die meisten Kranken erlagen noch bei einigen Kraften am 7. oder 9. Tage infolge innerer Hitze, So lange die Krankheit in jedem einzelnen Falle sich auf der Hohe befand^ verfiel der Korper nicht, sondern widerstand dem Leiden wider Erwarten. Kamen die Kranken aber hier durcb, so zog sicli die Krankbeit in den Unter- leib, verursachte daselbst beftige Eiterung aus Gescbwiiren und starken ^) Durcbfall. Beides entkraftete die meisten Kranken, so dass sie daran starben. Wenn Jemand durcb die beftigsten Stadien durcbgekommen war, so liess der Angriff der Krankbeit auf seinen Extremitaten bleibende Spuren an ibm zuriick, denn die Krankbeit befiel die Scbamgbeder, die Finger und Zeben. Yiele Kranke kamen mit dem Verlust dieser Gliedmaassen davon. Es gab aucb Kranke, die selbst die Augen einbiissten. Nocb andere verloren unmittelbar nacb ibrer Grenesung ganzlicb das Gedacbtniss, so dass sie von sicb selbst und von ibren nacbsten Angeborigen nicbts wussten, Auf eine Menge anderer seltsamer Zufalle, welcbe den Einen vor den Anderen bei der Krankbeit betrafen, will Tbuky did es nicbt naber eingeben ^). Jedenfalls kamen Genesungsfalle vor, der Historiker selbst iiberstand gliicklicb die Krankbeit. Es wird bervorgeboben, dass die Genesenen das meiste Mitleid gegen Sterbende und Kranke erwiesen. 5, Aetiologie. Die Seucbe wurde zuerst auf Yergiftung der Cisternen im Piraeus durcb die Peloponnesier — es gab daselbst damals nocb keine Quellbrunnen — zuriickgefiibrt. Tbukydides scbeint darauf kein Gewicbt zu legen, denn er sagt, mit der Zeit zog sicb die Seucbe aucb nacb der oberen Stadt, d. b. nacb der eigentlicben Stadt im Gegensatze zu der unteren und Hafenstadt. In der eigent- licben (oberen) Stadt befanden sicb bereits seit langer Zeit reicblicbe Wasserleitungen ^). ■*) Es stelit j.av.paxoc „ungemisclit, namlich nacli Galen oline Bei- miscliung wassriger Fliissigkeit nur korperliche (gallige) Safte enthaltend (B usolt). ^) Tbukydides sclireibt (II, 51): to [isv o5v v6aY)[j.a, TzokXa vmI aXka iza^a- K'.TZoyz'. (ZTQ-ia^, 6m; zv.a-zxw zzd-p^o-vk xt oia-iJipovtw? etspu) ^poc stspov y'YVOjxevov, Totoljtov Yjv liil Ttav X7]v lojav. ^) Zu der Augabe des Diodor (Zeitgenossen von Julius Caesar und Augustus) XII, 58, welcber vornebmlicb die Ursacbe der Seucbe in unge- wobnlicbem Regen, wassriger BescbafFenbeit des Getreides u. s. w. sucbt, be- merkt Grote (I. c. S. 433,' Anm. 5), dass sie vielleiebt betreffs des Wieder- auflebens der Seucbe im 5. Jabre des Krieges, scbwerlicb aber von deren](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21223658_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)