Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie.
- Wilhelm Ebstein
- Date:
- 1899
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Credit: Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie. Source: Wellcome Collection.
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![vermoge. EncUich will Robert audi die Hautveriinderiingen, be- ziehungsweise die auf der Haut Kranker auftretenden „Blaschen und Geschwiire (Busolt^) auf die Wirkung der Sphacelinsiiure zuriickfuhren, unter deren Einwirkung die Haut ausserordentlich zur Verschwarung disponire. Robert betont ausdriicklich, dass die, wie wir bald sehen werden, von ihm anders gedeutete Hautaffektion nicht mit der iibereinstimmp, welche wir bei normal verlaufenden Blatternfiillen zu sehen bekommen, wahrend unter dem Einfluss der Spliacelinsaure schon ein leichter Masemausschlag, geschweige denn ein soldier von Blattern, Hunderte von brandig sich abstossenden Schwaren hervorzurufen vermoge. Auch die „bestandige Unruhe der Rranken, den quiilenden, unloschlichen Durst derselben, wobei es gleichgiiltig war, ob sie viel oder wenig tranken glaubt Robert zu Grunsten seiner Ansicht heranziehen zu diirfen und zwar mit Riicksicht darauf, dass ihn die Schilderung des Thukydides selir an die Beschreibung einer „Epidemie von Sphacelinsaurever- giftung, welche in den Ostseeprovinzen im Jahre 1745 auftrat und welche von J. Ilmoni ■^) beschrieben worden ist, erinnert. Das wiiren ungefahr die wesentlichen Agumente, auf welche gestiitzt Robert annimmt, dass es sich bei der attischen Seuche um eine Blatternepidemie bei einer an latentem Ergotismus leiden- den Bevolkerung gehandelt habe. Ob wahrend der Seuche oder etwas vor dem Ausbruche derselben in Athen iiberhaupt eine Mutterkornepidemie geherrscht hat, ist eine Frage, deren Beantwortung ich spater versuchen werde. Hier kommt es mir zunachst lediglich darauf an, iiber die G-epflogenheit Robert's statt Mutterkornvergiftung Sphacelinsaure- bezw. Sphacelin- vergiftung zu sagen und damit beide als gleichwerthig zu be- zeichnen, einige Worte zu sagen. Es wiirde dies wenig angemessen erscheinen, selbst wenn die SphaceKnsaure eine in ihrer thatsachlichen Existenz gesicherte Verbindung ware, denn um nur ein Beispiel an- zufiihren, wir sprechen doch, wenn sich jemand mit der ToUkirsche oder mit dem Stechapfel vergiftet, nicht von Atropinvergiftungen, wenngleich in beiden Giftpflanzen das Atropin als das in erster Reihe wirksame Alkaloid vorhanden ist. Indessen tritt dieser Ein- wand vollig in den Hintergrund gegeniiber der weit bedeutungs- volleren Thatsache, dass die Sphacelinsaure Robert's keine Substanz ist, welche in ihrer Wirkung so prompt zu definiren ist, wie er es uns glaubhaft zu machen sich bemiiht-'). Haben doch Robert's eigene 0 Thukydides II, 49: aa)|Aa ... tpX'jxiafva'.; }A'.v.pai>; v.a. i/.xsiiv j;- YjvO'YlXO?. ^) cf. C. Jacob], Das Sphacelotoxin u. s. w. Arch. f. exper. Pathologie. Bd. XXXIX, 1897, S. 86.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21223658_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)