Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie.
- Wilhelm Ebstein
- Date:
- 1899
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Credit: Die Pest des Thukydides. (Die attische Seuche.) : Eine geschichtlich-medicinische Studie. Source: Wellcome Collection.
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![ringer ist. Aus cliesem Grunde unci mit Rlicksicht auf meine obigen (S. 24 if.) Auseinandersetzungen liegt kein Grund vor, Mer auf die Frage des Ergotismus uochmals einzugehen. ^^ Kehren wir nach dieser Abschweifung zu der Frage iiber die Contagiositat der attischen Seuche zuriick, so wurden wir, wenn sich dieselbe ganz allein auf die in Athen befindlicben Menschen be- schrankt hatte, betreffs der Beantwortung dieser Frage gewissen Scbwierigkeiten begegnen, Bei dem Mangel eines detaillirten Materials iiber die einzelnen Krankbeitsfalle wiirde man sehr wohl sagen konnen, dass die Menschen sich nicht gegenseitig angesteckt batten, sondern an gleichem Orte unter dem Einfluss der gleichen Krankheits- ursache stehend der Seuche verfallen waren. Indessen ist die Seuche doch verschleppt worden und zwar in Platze, welche besonders volk- reich waren und, was besonders lehrreich ist, durch die Truppen der Athener. In dieser Beziehung ist besonders instructiv, dass durch Truppen, welche von Athen weitab nach Potidaea geschickt wurden, die Seuche auf die dortige Belagerungsarmee iibertragen wurde (vergl. S. 12, II, sub 6). Hier ist nur eine Uebertragung durch Contagion annehmbar. Dass die Peloponnes von der Seuche frei blieb, erklart Beloch ^) dadurch, dass er den bestehenden Kriegs- zustand als die wirksamste Quarantane bezeichnete, denn die Pelo- ponnesier todteten ohne Erbarmen jeden Athener oder attischen Bundesgenossen, der in ihre Hande fiel. Die Peloponnesier, deren Einfall in Attika kurz vor Ausbruch der Seuche Thukydides meldet, verliessen iibrigens, sowie sie in Erfahrung gebracht batten, dass in Athen die Seuche ausgebrochen war, aus Furcht vor der- selben schleunigst das Land und gingen auf diese Weise der Gefahr der Ansteckung aus dem Wege ^), und wie die Erfahrung lehrt, mit Erfolg. Auch die Angabe des Thukydides, dass auch Thiere der Seuche erlegen seien, diirfte betreffs deren Contagiositat nicht ins Gewicht fallen, denn das Verschwinden der Raubvogel zur Zeit der Seuche in Athen lasst sich zwangles dadurch erklaren, dass sie in der verseuchten Stadt kein ihnen zusagendes Futter fanden. Dass aber, worauf Thukydides ein noch grosseres Gewicht legt,die Hunde wahrend der Seuche crepirten, beweist noch lange nicht, dass dies infolge der Seuche geschah. Thiere scheinen gegen derartige Seuchen, insbesondere auch gegen die Pest immun zu sein. Nur von den Hatten ist festgestellt, dass sie in der Geschichte der Yer- breitung der Bubonenpest eine bedeutungsvoile RoUe spielen ^). Be- treffs der Pest der Hunde fiihre ich zunachst aus friiherer Zeit eine ') Beloch, ]. c. S. 528. 2) cf. Thukydides II, 57. ■') cf. Koch, 1. c, p. 40.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21223658_0050.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)