Lehrbuch der Lokalanästhesie : für Studierende und Ärzte / von Privatdozent Dr. Georg Hirschel ... mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wilms; mit 103 Abbildungen im Text.
- Hirschel, Georg, 1875-
- Date:
- 1913
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Credit: Lehrbuch der Lokalanästhesie : für Studierende und Ärzte / von Privatdozent Dr. Georg Hirschel ... mit einem Vorwort von Prof. Dr. Wilms; mit 103 Abbildungen im Text. Source: Wellcome Collection.
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![Die Lösungen II und III waren die gebräuchlichsten, die Lösung I wurde zur Anästhesierung hauptsächlich entzündeter Gewebe benützt. Schleich schrieb dem Zusatz von .Morphium zu seinen Lösungen eine lokale Wirkung zu. Unter anderen machte auch Braun auf diesen Irrtum Schleichs aufmerksam und betonte, dass das zugesetzte Morphium lediglich Allgemeinwirkung hatte. Die gleiche Lösung ohne Mor- phiumzusatz hatte dieselbe lokale Wirkung wie die Schleichsche Lösung mit Morphin. Später wurde als Ersatz des giftigen Kokains Eukain-B von Braun, Reclus und Legrand und von Custer das Tropakokain eingeführt. Nachteilig gegenüber dem Kokain war die kürzere Dauer der Anästhesie mit gleichprozentiger Eukainlösung und die unvergleichlich längere Zeit, bis die Wirkung eintrat. Die Eukainkonzentration musste auf das Doppelte gesteigert werden und die des Tropakokains auf das 5—8fache, bis die Wirkung derjenigen einer Kokainlösung gleichkam. Hackenbruch, Gottstein, Legrand u. a. empfahlen Mischungen von Eukain und Kokain. Wahrend durch die Infiltrationsanästhesie die Nervenendigungen in und unter der Haut durch L^mspülung mit dem Anästhetikum unempfindlich gemacht werden, verstehen wir unter Leitungsanästhesie die L^nterbrechung kleinerer oder grösserer Nervenstämme, die einen gewissen Gewebskomplex versorgen. Die Leitungsanästhesie stellt die vollendetere Stufe der Lokal- anästhesie dar, denn durch die Anästhesierung eines Nervenstammes mit einer relativ geringen Menge eines Anasthetiku ms erzielen wir die Une mpf indlichkeit einer mehr oder weniger grossen Körperregion. Trotz- dem ist, wie wir später sehen werden die Infiltrationsanästhesie nicht zu entbehren. Durch Kombination beider \'erfahren erhalten wir oft eine bessere und sichere Anästhesie als mit der Leitungsanästhesie allein. Bei der Ausführung der Leitungsanästhesie besteht ein wesentlicher Unterschied darin, ob die Lösung direkt in den Nervenstamm injiziert wird: endoneurale Injek- tion; oder aber, ob die Injektion nur in die LTmgebung des Nerven gemacht wird: peri- neurale Injektion. Ersteres \'erfahren wurde hauptsächlich von Crile geübt, der zu diesem Zwecke die Nervenstämme erst freilegte und dann die Injektion unter die Nerven- scheide vornahm. Die Anästhesie trat dann sofort ein und betraf die ganze Dicke des Nerven. Das \'erfahren (riles war zu umständlich und erforderte eine mehr oder weniger grosse \'oroperation, die in der Prä]3aration des betreffenden Nerven bestand und die an und für sich schon einen operativen Eingriff bedeutete. Die Methode hat deshalb wenig Anhänger gefunden. Heute sind wir bestrebt, mit der perkutanen endoneuralen Injektion dasselbe zu erreichen, nachdem wir den \'erlauf der Nervenstämme anatomisch genau festgesetzt und gewisse Anhaltspunkte an Knochen und Weichteilen gefunden haben, die uns die Injektion erleichtern. Trotzdem wird es nur in wenigen Fällen gelingen, die endoneurale Injektion, die das Ideal der Leitungsanästhesie darstellt, zur Ausführung zu bringen, und wir müssen uns damit begnügen, das Anästhetikum in die Nähe des Nerven zu injizieren und durch Diffusion der Lösung in den Nerven die LTnempfindlichkeit desselben zu erhalten. Bei dieser perineuralen Injektion dauert es im Gegensatze zur endoneuralen Injektion längere Zeit, bis das Anästhetikum in den Nerven eingedrungen ist und seine Wirkung ent- faltet, je dicker der Nerv ist, desto länger müssen wir natürlich warten. Die perineurale Anästhesierungs methode konnte erst in neuerer Zeit erfolgreichere Anwendung finden. Einmal war es nötig, dass grössere Mengen des .\nästhetikums und höhere Konzentrationen desselben verwandt werden konnten, ohne dass eine Giftwirkung eintrat. Dann aber mussten auch Mittel und Wege gefunden werden, die eine allzu frühe Resorption der Lösung verhinderten. Alle diese Bedingungen wurden erst in neuerer Zeit erfüllt, und dadurch hat die perineurale Injek- tionsmethode einen grossen Aufschwung gewonnen. 1'](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21019952_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)