Volume 1
Lehrbuch der Nervenkrankheiten für Ärzte und Studierende / H. Oppenheim.
- Hermann Oppenheim
- Date:
- 1923
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der Nervenkrankheiten für Ärzte und Studierende / H. Oppenheim. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Art der Untersuchung. Allgemeine Symptomatologie. Anamnese: Der Anamnese ist große Sorgfalt zu widmen. Viele Tatsachen, die für die Beurteilung eines Nervenleidens von Bedeutung sind, haben für den Kranken keinen Belang, werden von ihm vernach¬ lässigt, wenn er nicht besonders auf sie hin gewiesen wird. Die erste Frage beziehe sich auf die Heredität. Neuropathisch belastet ist ein Individuum dann, wenn seine Vorfahren und Blutsverwandten an Nerven¬ krankheiten gelitten haben resp. leiden. Insbesondere ist auf das Vor¬ kommen von Psychosen, von Epilepsie, Hysterie, Neurasthenie, Hemi- kranie sowie auf die „hereditären, familiären Nervenkrankheiten“ im engeren Sinne des Wortes (vgl. d. spez. Teil) in der Familie zu achten. Die neuropathische Familienanlage kann sich auch durch krankhafte Neigungen und Triebe (Selbstmordtrieb, Trunksucht usw.) einzelner Mit¬ glieder bekunden. Außer dem Alkoholismus kann die chronische Blei¬ intoxikation, die Gicht und Tuberkulose der Aszendenten eine Disposition zu Nervenkrankheiten bei den Nachkommen bedingen. Endlich bildet auch die Blutsverwandtschaft der Eltern ein belastendes Moment, wenn¬ gleich das auch noch von einigen modernen Forschern bestritten wird. Die Vererbung ist eine gleichartige, weun die Deszendenten von demselben Leiden betroffen werden wie ihre Erzeuger, im andern Falle eine ungleichartige oder polymorphe. Die neuropathische Anlage deckt sich nicht immer mit der neuro- pathischen Belastung, insofern als eine abnorme Beschaffenheit des Nervei]Systems von der Geburt an bestehen kann, ohne daß eine erbliche Übertragung im Spiele ist. Auf die Mendelschen Gesetze und ihre Bedeutung für die menschliche Pathologie kann hier nicht eingegangen werden, doch ist die Frage eine für den Nervenarzt so» wichtige, daß auf die entsprechende Literatur verwiesen werden soll: Bateson, Mendels Principles etc., Cambridge 09, Davenport, Science 07, Americ. Natur. 10, Bauer, Exper. Vererbungslehre, Berlin 11, Goldschmidt, Vererbungswissenschaft, Leipzig 11. S. auch F. Pick, D. M. W. 11, Hammer, M. Kl. 12, Martius, Das pathogenet. Vererbungsproblem, Wien 09, Poll, Z. f. d. g. N. IV, Mott, Br. 11, Pick, XXVIII. Kongr. f. inn. Med., Wiesbaden 11, Siemens, Einführung in die allg. Konstitutions- u. Vererbungspathol., Berlin 1921, Büdin, Studien über Vererbung und Entstehung geistiger Störungen, Berlin 1916, 1921, Tendeloo, Konstitutions¬ pathologie und Erblichkeit, Berlin 1921. Den Fragen über die Entstehung des Leidens sollen die Erörterungen betreffend die Vorgeschichte vorausgehen. Zunächst ist festzustellen, ob sich eine Anlage zu Nervenkrankheiten bereits in der Jugend geltend gemacht hat: ob Krämpfe, Ohnmachtsanfälle, psychische Störungen, Kopf¬ schmerz (namentlich Migräne), Schwindelanfälle usw. in irgendeiner früheren Epoche des Lebens bestanden haben. Die weitere wichtige Frage lautet: Sind Infektionskrankheiten vorausgegangen? Sowohl die akuten wie die chronischen Infektionskrankheiten können den Grund zu Nerven- l*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b31360877_0001_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)