Kallipädie oder, Erziehung zur Schönheit durch naturgetreue und gleichmässige Förderung normaler Körperbildung, lebenstüchtiger Gesundheit und geistiger Veredelung und insbesondere durch möglichste Benutzung specieller Erziehungsmittel : für Aeltern, Erzieher und Lehrer / von Daniel Gottlob Moritz Schreber.
- Moritz Schreber
- Date:
- 1858
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Credit: Kallipädie oder, Erziehung zur Schönheit durch naturgetreue und gleichmässige Förderung normaler Körperbildung, lebenstüchtiger Gesundheit und geistiger Veredelung und insbesondere durch möglichste Benutzung specieller Erziehungsmittel : für Aeltern, Erzieher und Lehrer / von Daniel Gottlob Moritz Schreber. Source: Wellcome Collection.
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![Knr])erl:ist, lieini dulnMi vorzugsweise uiif die äussere Fuss- kaute tiilll. Diejenigen Fälle, in welclien angebcjreiie Bildiings- lehler (wie die Kluinpfussbildung in iliren verscliiedenen Ab- stufungen) die Ursaclie dieser lälsclien Fussstellung sitid, ge- hören nicht in das J3ereicli dieser Sclirift. Wir liaben hier nur insoweit die Einwärtsstellung der Füsse zu besprechen, als die- selbe ans übler Gewohnheit entsteht, und es noch nicht bis zu einer festen Verbildung der Fussform gekommen ist. Am leichtesten und sichersten lässt sich einer solchen Gewohnheit Vorbeugen, wenn man das Kind schon in der er- sten Zeit des Fussaufsetzens, während des Gehenlernens und in der ersten Zeit nachher, in dieser Hinsicht scharf im Auge hat, d. h. Alles entfernt, was vielleicht am Schuhwei-ke oder sonst darauf nachtheilig einwirkt und durch entsprechendes Stellen und Manipidiren der Füsse regulirend nachhilft. Hat sich aber die Gewohnheit der Einwärtsstellung schon gebildet, und ist das Kind einige Jahre alt geworden, so suche man die Aufmerksamkeit und das Interesse für die Sache im Kinde selbst so viel wie möglich zu wecken: durch Hinlen- kung der kindlichen Ambition, durch kleine Belohnungen und Bestrafungen, durch tägliche, zu bestimmten Zeiten vorzuneh- mende Gehübuno-en, wobei die Aufmerksamkeit einzio; und allein auf das Gehen selbst gelenkt wird. Bei gut gezogenen, an unbedingten Gehorsam gewöhnten Kindern wird man durch Ausdauer auf diese Weise nach und nach meistens zum Ziele gelangen können. Ist dies aber nicht der Fall, so lasse man an dem inneren Rande des Schuhwerkes von der Ferse an bis in die Gegend, wo der Ballen der grossen Zehe anfängt, stärkere Ledersteifen in der Weise anbringen, dass jedes Ein- wärtswenden des Fusses erschwert und für das Gefühl unan- genehm gemacht, somit ein immerwährendes, auf diesen Zweck abzielendes Erinnerungsmittel gewonnen wird.*) Reicht aber *) Hierbei sei bemerkt, dass wes;en der Entwickelung und Erhaltung einer guten Rildnng und Hescliaflenheit der Füsse überliaupt, ganz besonders aber lur Kinder, einbälliges, jedem einzelnen Fasse genau angepasstes Sehuh- werk nnbi’dingt den Vorzug verdient; denn einmal sind bei sehr vielen Men- schen die Füsse nicht an allen einzelnen Funkten ganz gleichmässig gebildet.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28081080_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


