Die seelische Entwicklung des Kindes : nebst kurzer Charakteristik der Psychologie des reiferen Alters / von I.A. Sikorsky.
- Ivan Sikorski
- Date:
- 1908
Licence: In copyright
Credit: Die seelische Entwicklung des Kindes : nebst kurzer Charakteristik der Psychologie des reiferen Alters / von I.A. Sikorsky. Source: Wellcome Collection.
27/176 (page 17)
![individuelle Erfahrung und Entwicklung ermöglicht (s. S. 6—7). Im Zusammenhang damit besitzt der Fisch nicht nur Rassenerfahrung, wie die niederen Tiere, sondern auch individuelle Erfahrung; der Fisch vermag sich im Laufe einer kurzen Zeit die Denkreihen, die Konsequenz der Eindrücke zu eigen zu machen, zu deren Ein- prägung die niederen Tiere Jahrhunderte und vieler Generations- wechsel bedürfen. Das Gedächtnis der Fische umfaßt viele Monate. Der Fisch hat ästhetische Empfindungen — er liebt die Farben. f) Amphibien. In anatomischer und psychischer Beziehung stehen die Am- phibien höher als die Fische. Sie verfügen über ein deutlich ent- Avickeltes imd im Yergleich zu dem Hirn der Fische recht umfang- reiches Großhirn (s. Fig. 2 auf S. 8). In der Klasse der Amphibien erhält der Tierorganismus zum ersten Male ein entsprechend geformtes und genügend großes spezielles Organ für höhere geistige Verrich- tungen. Im Zusammenhang damit treffen wir bei den Amphibien zum ersten Male Äußerungen eines höheren Seelenlebens: Anlagen eines ästhetischen Gefühls (Musikverständnis), weitreichendes Ge- dächtnis, bedeutende Fähigkeit zu individueller geistiger Entwicklung, was sich in der leichten Dressierbarkeit der Schlangen und insbesondere darin klar äußert, daß bei den Amphibien zum ersten Male im Tierreiche die Fähigkeit zum Erkennen von Indi- viduen (Erkennen der Menschen, Anhänglichkeit an sie) hervortritt. Diese Grundbedingungen ermöglichen den Amphibien mehr als den vorhergehenden Tierklassen eine Anpassung an die äußeren Be- dingungen, d. h. die Gestaltung des individuellen Lebens und seiner Bedürfnisse nach den Bedingungen des Milieus und die Nutzbar- machung dieser Bedingungen zu Zwecken des Lebens. Die Am- phibien sind die ersten Geschöpfe im Tierreiche, die ein heran- nahendes Erdbeben vorher fühlen, d. h. sie nehmen schon so schw^ache Bodenschwingungen wahr, die dem ]\Ienschen ohne Hilfe eines Seismographen unzugänglich sind, und ergreifen Maßregeln zur Ret- tung. Eine interessante Eigentümlichkeit der Amphibien bildet das Vorhandensein eines thermooptischen Auges bei manchen von ihnen, d. h. eines solchen, auf dem Kopfe (dem Scheitel) gelagerten Organs, das dem Tiere ermöglicht, zugleich Lichtstärke und Wärmegrad zu Sikorsky, Die seelische Entwicklung des Kindes. 2. Aufl. 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28093409_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)