Volume 1
Grundzüge der physiologischen psychologie / von Wilhelm Wundt.
- Wilhelm Wundt
- Date:
- 1902-1903
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Credit: Grundzüge der physiologischen psychologie / von Wilhelm Wundt. Source: Wellcome Collection.
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![logischen Empirismus ebenso wie die relative Berechtigung des Nativis- mus und die Nothwendigkeit, mit der beide Anschauungen auf eine tiefer gehende psychologische Theorie hinweisen, darzuthun. Die Hypothese von den specifischen Sinnesenergien, die eigentlich einen Rest des älteren Nativismus darstellt, kann, wie ich glaube, trotz der bequemen Erklärung mancher Thatsachen, die sie zulässt, nicht mehr gehalten werden. Meine Kritik wird hier voraussichtlich noch auf manchen Widerspruch stoßen. Wer aber den ganzen Zusammenhang ins Auge fasst, wird sich der Triftigkeit der Einwände kaum entziehen. Die Untersuchungen des vierten1 Abschnitts, namentlich die Ver- suche über den Eintritt und Verlauf der durch äußere Eindrücke erweckten Sinnesvorstellungen, haben den Verfasser seit vierzehn Jahren, freilich mit vielen durch andere Arbeiten und durch die Beschaffung der nothwendigen Apparate verursachten Unterbrechungen, beschäftigt. Die ersten Resultate sind schon im Jahre 1861 der Naturforscherversammlung in Speyer vor- getragen worden. Seitdem sind noch von anderer Seite mehrere be- achtungswerthe Abhandlungen über den gleichen Gegenstand erschienen. An einer Verwerthung der gewonnenen Thatsachen für die Theorie des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit hat es aber bis jetzt gefehlt. Möchte es mir gelungen sein, diesem wichtigen Zweige der physiologischen Psy- chologie wenigstens einen vorläufigen Abschluss gegeben zu haben. Schließlich kann ich nicht umhin, den polemischen Ausführungen gegen Herbart hier die Bitte beizufügen, dass man nach denselben zu- gleich die Bedeutung bemessen möge, die ich den psychologischen Ar- beiten dieses Philosophen beilege, dem ich nächst Kant in der Ausbildung eigener philosophischer Ansichten am meisten verdanke. Ebenso brauche ich mit Rücksicht auf die in einem der letzten Capitel enthaltene Be- kämpfung von Darwins Theorie der Ausdrucksbewegungen kaum erst zu betonen, wie sehr auch das gegenwärtige Werk von den allgemeinen Anschauungen durchdrungen ist, welche durch Darwin ein unverlierbarer Besitz der Naturforschung geworden sind. 1 [Jetzt fünften.] Heidelberg, im März 1874.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28092909_0001_0011.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


