Leitfaden der Physiologie des Menschen : für Studierende der Medicin / von F. Schenck und A. Gürber.
- Friedrich Wilhelm Julius Schenck
- Date:
- 1904
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Credit: Leitfaden der Physiologie des Menschen : für Studierende der Medicin / von F. Schenck und A. Gürber. Source: Wellcome Collection.
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![1. Ammoniak, kommt als Ammoniaksalz in geringen Mengen in den Ausscheidungen vor. 2. Harnstoff, CO(NH2)2, das Diarnid der Kohlensäure oder das Karbamid, kristallisiert in farblosen langen rhombischen Prismen, reagiert neutral, schmeckt kühlend salpeterartig. Er schmilzt bei 130—132° C., zersetzt sich aber in Lösung schon bei 60 70' C. Er löst sich in Wasser und Alkohol, ist dagegen unlöslich in Aether. Zersetzungen des Harnstoffs: Harnstoff in Substanz erhitzt, gibt Ammoniak ab und bildet Biuret. Es bilden sich aus 2 Mol. Harnstoff 1 Mol. Biuret und 1 Mol. Ammoniak: 2 CO(NH2)2 == NH2 . CO . NH . CO . NH2 + NH3. Biuret gibt mit Kupfersulfat und Kahlauge rotviolette Färbung (daher der Name Biuretreaktion!). Beim Erhitzen mit Barytwasser, Alkalilauge, ferner unter der Einwirkung gewisser Mikroorganismen (bei der alkalischen Ham- gärung) geht der Harnstoff unter Wasseraufnahme in kohlensaures Ammoniak über. Natriumhypobromit zersetzt den Harnstoff in Kohlensäure, Wasser und Stickstoff: CO(NH2)2 -f 3 NaOBr = 3 NaBr + C02 -j- 2 H20 -f N2. Verbindungen des Harnstoffs: Der Harnstoff geht mit mehreren Säuren und Salzen charak- teristische Verbindungen ein; die Säuren addieren sich dabei au einen der Ammoniakreste, wobei der Stickstoff fünfwertig wird. Die wich- tigsten Verbindungen sind: _ _ . a) Salpetersaurer Harnstoff, CO(NH2)2. HN03. Er kristallisiert in sechsseitigen farblosen glänzenden Plättchen, ist leicht löslich in reinem Wasser, schwer löslich in salpetersäurehaltigem Wasser. Man erhält die Kristalle, wenn man zu koncentnerter Harnstoff- lösung einen Ueberschuß von starker Salpetersäure setzt. Die Vei- bindung dient zum Nachweis und zur Darstellung von Harnstoff. b) Oxalsaurer Harnstoff [C0(NH2)2]2C2H20.j. c) Merkurinitratharnstoff entsteht als weißer Niederschlag, wenn man zu Harnstofflösung Merkurinitratlösung setzt. Das Verhältnis, in dem sich Harnstoff und Merkurinitrat binden, ist verschieden je nach der Koncentration der verwendeten Harnstoff- und Merkuri - nitratlösung. Auf der Ausfällung des Harnstoffs mit Merkurimtrat beruht die Liebigsclie Titriermethode zur Bestimmung des Harnstoffs.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28054222_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)