Die Behandlung der tabischen Ataxie mit Hilfe der Uebung : compensatorische Uebungstherapie, ihre Grundlagen und Technik / von H. S. Frenkel.
- Heinrich Frenkel
- Date:
- 1900
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Credit: Die Behandlung der tabischen Ataxie mit Hilfe der Uebung : compensatorische Uebungstherapie, ihre Grundlagen und Technik / von H. S. Frenkel. Source: Wellcome Collection.
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![Complicirterem aufsteigenden, lückenlosen Systems Ton Bewegungen, welches den Wegen folgt, die die ]S[atur vorgezeichnet hat. Ganz einverstanden mit den Autoren sind wir darin, dass ihr diittes Argument, die Beeinflussung der Psyche der Kranken durch die Apparate, das Wesentlichste ist. Sicherlich giebt es Kranke, denen ein grosser Aufwand von aufgestellten Apparaten imponirt und sie zur Wichtigkeit der Behandlungsmethode Vertrauen ge- winnen lässt. Die Autoren führen aber selbstverständlich dieses Argument nur unter der Voraussetzung in's Feld, dass die Appa- ratbehandlung unserem Verfahren mindestens ebenbürtig, vielleicht überlegen, niemals aber den Kranken schädlich ist. Mit dem Nachweis der Irrigkeit dieser Voraussetzung fällt auch die Be- deutung des Arguments dahin. Uebrigens scheinen die Autoren den äusseren Apparat der „apparatlosen Behandlung — die, wie wir wissen, sich zu ganz bestimmt definirtem Zwecke ebenfalls be- sonderer Vorrichtungen bedient — etwas zu unterschätzen, wenn sie von mit „Kreidestrichen aufgezeichneten Figuren, umgekippten Stühlen etc. sprechen. Es kann im Gegentheil versichert werden, dass den Kranken, was sie im LFebungssaal zu sehen und zu machen Gelegenheit haben, völlig den Ernst der Behandlung klarlegt. Nichts ist aber, wie wir meinen, mehr geeignet, dem hülfesuchenden Vertrauen und Geduld zu „suggeriren, als die geduldige und uner- müdliche persö?iliehe Beschäftigung des Arztes mit jedem Detail seiner Störung. Sieht der intelligente und meist vielerfahrene und vielge- prüfte Tabeskranke, dass mit der Behandlung von höchstens 15 seiner Leidensgenossen 2 Aerzte einen grossen Theil des Tages vollauf beschäftigt sind, dass keine einzige seiner Bewegungen im Bett und Uebungssaal uncontrolirt bleibt, so ist das des psychischen Einflusses genug. Genug aber auch des Excurses in das Gebiet der „Psychotherapie. Uebungen im Liegen mit geschlossenen Angen. Das Ideal, welchem wir nachzustreben haben, ist, dass jeder unserer Kranken alle diejenigen Bewegungen, welche ein Gesunder im Liegen mit geschlossenen Augen direct ausführen kann, eben- falls ohne Controle des Gesichtssinnes auszuführen lernt. Aber nur diese. Denn die meisten der oben beschriebenen Apparate z. B. würden auch beim Gesunden die Controle der Augen ver- langen. Man bedenke überdies vor der Wahl der üebungen, dass den Tabeskranken das Gesicht die verloren gegangene resp. ab-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2105325x_0210.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)