Die Behandlung der tabischen Ataxie mit Hilfe der Uebung : compensatorische Uebungstherapie, ihre Grundlagen und Technik / von H. S. Frenkel.
- Heinrich Frenkel
- Date:
- 1900
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Credit: Die Behandlung der tabischen Ataxie mit Hilfe der Uebung : compensatorische Uebungstherapie, ihre Grundlagen und Technik / von H. S. Frenkel. Source: Wellcome Collection.
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![in der Bettlage, welche zwar auch sehr anstrengend sein können^ bei denen aber die Schwere des Körpers, die Angst vor Unfäl- len etc. wegfällt, bieten weniger Gefahr der Ueberanstrengung als z. B. die Gehübungen. Eine „Sitzung^'' setzt sich aus einer Anzahl von Einzelübungen zusammen, die nach einem bestimmten System geordnet sind, und darf nur in seltenen Fällen eine halbe Stunde überschreiten. Inbegriffen in diese Zeit sind die Ruhepausen, welche nothwendigerweise nach jeder Einzelübung eingeschaltet werden müssen. Es ist von der allergrössten Wichtigkeit, eine neue Uebung nicht vor der vollständigen Erholung anzufangen. Unter normalen Verhältnissen wäre das Verschwinden des Er- müdungsgefühls das Zeichen des Ausgeruhtseins. Darauf können wir uns bei den Tabeskranken nicht verlassen, da das Ermüdungs- gefühl constant abgeschwächt ist, manchmal in sehr hochgradiger Weise. Dagegen giebt uns die Herzaction einen guten Anhalts- punkt für die Dauer der nothwendigen Ruhepausen zwischen den Einzelübungen. Während der Bewegungen steigt nämlich die Frequenz der Herzschläge und zwar proportional mit der Intensität der Anstrengung. Die Pulsschläge erheben sich bis 120 —160 in der Minute. Es ist darum strenges Gesetz, während einer jeden Uebung der neueingetretenen und die Kur anfangenden Patienten, den Puls sorgfältig zu controliren und sobald derselbe eine gewisse Höhe erreicht, die Uebung zu unterbrechen. Die Ruhepause muss unbedingt solange dauern, bis jede Spur erregter Herzthätigkeit verschwunden ist. Mit dem Fortschritt nimmt die Intensität der Herzthätigkeit während der Uebungen ab und kann ganz normal werden, wenn sie auch meistens begreiflicherweise etwas erhöht bleibt. Patienten, bei denen trotz längerer Kurdauer das Herz leicht in schnelle Action verfällt, sind als verdächtig anzusehen, sei es, dass dieselben sich in jenem eigenthümlichen Zustande der tabischen Kachexie befinden mit charakteristischem anämischem Aussehen, Muskelschwäche etc., für welche unsere Therapie zwar nicht zu entbehren ist, aber nur mit äusserster Vorsicht und Sachkenntniss angewendet werden muss; sei es, dass die Wahl der Uebungen keine richtige gewesen ist, so dass dieselben einer leich- teren Serie entnommen werden müssen. Zwei Sitzungen täglich ist das Maass, bei welchem am sichersten fortgeschritten wird, d. h. bei welchem die Gefahr von Rückfällen, Uebermüdungen etc. am geringsten ist. Um weniger als zwei Sitzungen täglich abzuhalten, müssen schon ])esondere Gründe vorliegen. Daraus ergiebt sich die Schwierigkeit einer rationellen und dauernde Resultate suchen-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2105325x_0286.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)