Untersuchungen über die Entwickelung der Glandula thymus, Glandula thyreoidea und Glandula carotica / von Ludwig Stieda.
- Ludwig Stieda
- Date:
- 1881
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Credit: Untersuchungen über die Entwickelung der Glandula thymus, Glandula thyreoidea und Glandula carotica / von Ludwig Stieda. Source: Wellcome Collection.
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![G eine Sonderung in die zwei seitlichen Hälften eintreten. Die Anhänger dieser zweiten Ansicht nehmen dann an, dass die Angaben über eine paarige Anlage sich auf eine spätere Entwicke- lungsstufe beziehen. Jon. Fr. Meckel (Abhandlungen aus der menschlichen Anatomie. Halle 1806. S. 297) fand bei einem menschlichen Foetus von 15 Linien Länge die Schilddrüse aus 2 nicht ver- einigten Lappen bestehend. Deshalb schreibt er in seinem Handbuch der menschlichen Ana- tomie (Bd. IV. Halle 1820. S. 451) „die Schilddrüse ist anfangs aus 2 von einander ge- trennten Lappen gebildet.“ — Sowol Valentin (Entwickelungsgeschichte 1835. S. 506) als auch Bischoef (Entwicke- lungsgeschichte 1842. S. 287) citiren Fleischmann als Gewährsmann dafür, dass bei einem viermonatlichen menschlichen Embryo die Schilddrüse aus 2 getrennten Lappen bestehe. Ich weiss nicht, wodurch dieses irrthümliche Citat hervorgerufen ist; Fleischmann spricht nicht von getrennten, sondern im Gegentheil von vereinigten Lappen. Der betreffende Passus (De Chon- drogenesiasperiaearteriae. Erlangen 1 820. S. 5) lautet: „ Glandula thyreoidea magna parle omne tracheaeinitiumcircumdans e duobus lobis in medio unilis, etincornuaeoccurrentibus constat.“ — Huschke (Ueber die Umbildung des Darmkanals und der Kiemen der Froschquappen. Wien 1826. S. 613—621) macht die höchst bemerkenswerthe Angabe, dass die Schilddrüse sich aus den vordersten Kiemenbögen entwickele. Er bezieht sich freilich zunächst auf die Frösche und theilt nicht mit, in wie weit er auch andere Wirbelthier-Embryonen unter- sucht hat. Immerhin ist folgender Satz Huschke’s bemerkenswert]! (S. 622) : „Daher kommt es ferner, warum die Schilddrüse erst mit den Amphibien auftritt, dass ihre Hälften in dem Thierreich bei Vögeln und auch Säugethieren wie beim frühen Embryo vollkommen ge- trennt sind und weit von einander abstehen, und erst bei den höheren Säugethieren und dem älter werdenden Foetus von der Seite zusammenrücken und erst im Affen und Men- schen in einen Drüsenkörper verschmelzen.“ Und weiter (S. 623): „Wrisberg fand sie (die Schilddrüse) schon im dritten Monat bei dem Menschen, jedoch existirt sie gewiss schon im zweiten. In der vierten bis sechsten Woche, wo der Mensch die Fischklasse durchläuft, müssen noch Kiemenspuren aufzufinden sein, die sich in der achten und neunten in die Schilddrüse um ändern möchten.“ In gleicher Weise äussert sich Huschke in einem späteren Vortrag (Ueber die Kiemenbogen und Kiemengefässe beim bebrüteten Hühnchen. Isis 1827. S. 402 u. f.) , in welchem er mit besonderer Berücksichtigung des Hühnchens an der Umwandlung der Kiemenbögen in die Schilddrüse festhält. — Zu einem andern Resultat gelangte Rathke ; danach entwickelt sich die Schilddrüse aus der Luftröhre selbst. Ratiike sagt (Ueber die Entwickelung der Athemwerkzeuge bei den Vögeln und Säugethieren in d. Nova Acta phys. med. Acad. C. L. G. Tom. XIV. Bonn 1828. S. 208): „Die Glandula thyreoidea entspringt, wenigstens bei Schweinen — und zwar dicht hinter dem Kehlkopf aus der Luftröhre selber, entwickelt sich sehr rasch u. s. w. — Beim Schafe ist die Gl. thyreoidea doppelt. Anfänglich liegen beide Hälften ganz dicht bei einander,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22393183_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


