Volume 2
Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen / von J. Henle.
- Date:
- 1855-1871
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Credit: Handbuch der systematischen Anatomie des Menschen / von J. Henle. Source: Wellcome Collection.
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![Eine eigentümliche Ansicht stellt Reichert (Berl. Monatsber. a. a. 0.) von der Lage und Eintheilung der Membrana reticularis auf. Er unterscheidet eine mittlere, der Firste des Stäbchendaches entsprechende, epithelfreie Zone und zu deren beiden Seiten eine von Epithelium bedeckte Zone auf den Abhängen des Daches. Die mittlere Zone zerfällt in einen mittleren, häutigen Theil (Pars mem- branosa Deiters) und die zu beiden Seiten desselben gelegenen gefensterten Zo- nen (Z. fenestrata int. und ext. R.). Die schmalen Brücken, welche die Oeff- nungen der Zona fenestrata ext. von einander trennen, sind die Stäbe der La- mina reticularis, welche Deiters von den Gelenkenden der Stäbchen ausgehen lässt. An dem Epithel tragenden Theil der Membrana reticularis werden ebenfalls zwei Abtheilungen unterschieden, eine, der Mitte nähere, reticulirte und eine glatte, welche einerseits an den Limbus der Lamina spiralis, anderer- seits an die äussere Zone der Membrana basilaris (Z. pectinata) grenzt. Das netzförmige Ansehen hält Reichert für Folge eines alveolären Baues zur Auf- nahme grösserer Epithelzellen; die Scheidewände der Alveolen entsprechen den Deiters’schen Phalangen. Es könnte sein, dass Reichert bei der Beschreibung des nach innen von der Firste des Stäbchendaches gelegenen Theils der Membrana reticularis die Membrana tectoria vor Augen gehabt hätte, dass seiner Zone fenestrata interna die äussere netzförmige Zone der Membrana tectoria entspräche, von der auch Kölliker vermuthet, dass sie mit der Membrana reticularis Zusammenhängen möchte. Ich wende mich zu der dritten Art der den acustischen Endapparat zu- sammensetzenden Gebilde, den kugligen und cylindrischen Elementen, die durch den Kern, den sie regelmässig enthalten, als Zellen charakterisirt sind. Wenn es gilt, diese Formen in eines der bekannten Gewebe einzureihen und damit zugleich über ihre physiologische Bedeutung ein Urtheil zu fällen, so kann die Wahl füglich nur zwischen Epithel- oder Ganglienzellen schwan- ken. In der That entspricht ein Theil der Zellen in Gestalt und Anordnung dem Begriff des Epithelium. Diejenigen aber, die sich nicht unter diesen Begriff fügen, sind auch von Ganglienzellen durch ihren wasserhellen, nicht körnigen Inhalt, dmych ihre Resistenz gegen Säuren l) und zum Theil auch durch ihre gestreckten und bewimperten Formen unterschieden und so blei- ben sie vorerst unverständlich und wir müssen uns damit begnügen, sie nach ihrer Gestalt und Lage in möglichst natürliche Gruppen zu sondern. Als Epithelzellen darf man diejenigen ansprechen, welche in ununter- brochener, ein- oder mehrfacher Schichte flächenhaft an den Wänden der un- teren Kammer des Duct. cochlearis ausgebreitet sind. Sie können bei un- zweckmässiger Behandlung durch Imbibition blass, gross und kuglig und da- durch den Zellen der bekannten Pflasterepithelien sehr unähnlich werden; an frischen, besonders aber an Chromsäurepräparaten zeigen sie sich in ihrer natürlichen, polygonalen Gestalt mit platten, kreisrunden, scharfconturirten Kernen. Ein solches, beim Erwachsenen, soviel ich sehe, stets einfaches Epi- thelium2) kommt über den auf dem Labium tympanicum gelegenen Nerven- ]) Sie sind nicht empfindlicher als die Stäbchen, und wenn M. Schultze die sogenannten Cor ti’sehen Zellen zu den vergänglichsten Gebilden des acustischen Endapparats rechnet, so verfällt er hinsichtlich derselben dem nämlichen Irrthum, den er in Betreff der Stäbchen mit Erfolg widerlegte. 2) Des Kölliker’sehen Epithelwulstes im Sulcus spiralis habe ich bereits oben gedacht. Corti bildet die Zellen des Lab. tympanicum in einfacher Lage ab, aber kuglig und von solchem Durchmesser, dass sie den Sulcus spiralis ausfüllen. Dei- t. Zellen, Epithel- zellen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907717_0002_0831.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)