Einige Worte über Verengerungen der weiblichen Urethra / von Ludwig Kleinwächter.
- Kleinwächter, Ludwig, 1839-1906.
- Date:
- [1894]
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Credit: Einige Worte über Verengerungen der weiblichen Urethra / von Ludwig Kleinwächter. Source: Wellcome Collection.
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![manchen Fällen dürften die hochgradigen Verengerungen auch Folge einer unrichtigen, direct schädlichen Therapie der Gonorrhoe sein. Dies gilt namentlich von zu intensiven Aetzungen der Urethra und zu stark reizenden Injectionen in dieselbe während des acut ent- zündlichen Stadiums. Ely van de Warker dagegen vertritt die Anschauung, dass Stricturen, die bei dem Manne nur wenige Sym- ptome veranlassen, bei dem Weibe meist schon Harnretention und schwere Dysurie hervorrufen. Die Verengerung ist eine annuläre oder erstreckt sie sich auf einen grösseren Abschnitt des Harnrohres. Felsenreich beispiels- weise erwähnt einen Fall, in dem das äussere Drittel der Urethra nur für eine Harnsonde passirbar war. Routh1) theilt einen Fall mit, in dem der Entstehungsmodus der Urethralverengerungen ein ganz eigenthümlieher, bisher nicht beobachteter war. Eine Person, die ein ausschweifendes Leben führte, litt au einer Parametritis anterior acuta. Des Weitereren breitete sich der Entzündungsprocess auf das Scheidengewölbe und das periurethrale Bindegewebe aus und kam es schliesslich zur Setzung eines Exsudates daselbst. Dadurch und durch eine conse- cutive Metritis wurde das Harnrohr stricturirt. So viel sich aus der kurzen Mittheilung vermuthen lässt, scheint es sich auch hier um eine gonorrhoische Entzündung gehandelt zu haben. Viel seltener sind Verengerungen der Urethra als Folgen vorausgegaugener syphilitischer Geschwüre derselben, namentlich phagadänischer solcher. Her man erwähnt in seiner Arbeit nur 2 einschlägige Fälle, einen, den Scanzoni2) sah, und einen, der 1840 in der Gazette des Höpitaux publicirt wurde3). 1 Fall beobachtete auch Galabin4). Die Verengerungen der Urethra können hier sehr hochgradige sein. Sie beginnen meist am oder in der Nähe des Meatus externus und reichen verschieden weit hinauf. Bei besonders bösartiger Erkrankung kann auch ein Theil der Urethra ganz zerstört werden. Ebenfalls sehr selten sind Verengerungen der Urethra infolge ]) Routh, 1. c. 2) Scanzoni, Kiwisch, „Klin. Vortrg.“ Fortgesetzt von Scanzoni. 1855, Bd. 3 S. 278. 3) Gazette des Höpitaux. 4. April 1840, S. 157. 4) Galabin, Transactions of the Obstetrical Society of London 1888, Bd. 29 S. 50.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22461589_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)