Anatomische und mikroskopische Untersuchungen über den feineren Bau der Nerven-Primitivfaser und der Nervenzelle / von B. Stilling.
- Benedict Stilling
- Date:
- 1856
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Credit: Anatomische und mikroskopische Untersuchungen über den feineren Bau der Nerven-Primitivfaser und der Nervenzelle / von B. Stilling. Source: Wellcome Collection.
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![wie sie auch von Bidder gefunden waren, bestätigt wurden, mussten schon Bedenken gegen die An- schauung Bidders erwecken. Und diese Bedenken sind durch die Forschungen der neueren Zeit zu so evidenter Gewissheit gelangt, dass Bidder auch wohl selbst von seiner damaligen Ansicht jetzt zurückgekommen sein dürfte. Schon Stannius behauptete 1850 dass der Axencyllnder der peripherischen Nerven eine unmittelbare Fortsetzung des Nervenzellen-Parenchyms sei; diese Beobachtung zeigt mindestens den Zusammenhang des Nervenzellen-Parenchyms mit dem Marke oder dem Inhalt der Nervenfaser, und spricht gegen eine Trennung beider durch eine flüssige Schicht. Dass die Fortsätze der Ganglienkugeln in den Centraltheilen bei Petromyzon „ihrem ganzen Verhalten nach durchaus identisch sind mit dem Axencyllnder der peripherischen Nerven und mit den hüllenlosen Fasern, welche in dem Rückenmarke augetroflen werden,“ sprach Stannius 1850 gleichfalls aus. Nehmen wir hierzu die von allen Histo- logen jetzt getheilte Annahme, dass „auch die Fortsätze der (centralen) Nervenzellen sehr elastisch sind, und sich, gleich den Axenfasern, sehr in die Länge ziehen lassen, um nachher sich wieder zw verkürzen,“ wie Kölliker angiebt *“), und die weitere, jetzt wohl ebenfalls allgemein gewordene Ansicht über das Gewebe der Nervenzellen-Fortsätze, wie dieses Kölliker in neuester Zeit ausdrückt, wenn er sagt: „die Fortsätze (der grossen vielstr ah Ilgen Nervenzellen in der grauen Substanz des Rückenmarks) bestehen offenbar aus denselben Elementen, wie die Zellen selbst, nämlich einer zarten Hülle und einem zähen, elastischen Inhalte, und sind anfänglich [d. h. zunächst der Zelle] fein granulirt oder schwach streifig; im weiteren Verlaufe, der bis auf 0,1—0,2P verfolgt werden kann, werden sie mehr homogen ...“ ”) — so möchte wohl genügend gezeigt sein, dass die von Bidder behaup- teten Verhältnisse in der Natur nicht Statt finden, ixnd zwar weder in den peripherischen, noch in den centralen Ganglienzellen. Wir sehen vielmehr, dass in allen Nervenzellen der Hauptsache nach ein gleiches Verhältniss zu den von ihnen entspringenden Fasern Statt findet; und zwar in einer der folgenden Welsen: a) Die Nervenfaser hängt durch ein mehr oder weniger verschmälertes Stück derselben mit der Nervenzelle zusammen. Dieses findet sich in centralen Nervenzellen (wie zuei’st Kölliker, 1. c. 1847, im Frosch-Rückenmark fand), sowie in peripherischen Nervenzellen {E. Wagner, Eohin u. A.); oder b) die Nervenfaser tritt in toto, ohne sich verschmälert zu haben, in die Nervenzelle ein {Bidder, E. Wagner, Eohin u. v. A.). Hier findet eine Verbindung des Nervenraarks ln seiner ganzen Breite mit dem Parenchym der Nervenzelle Statt. Dieses Verhältniss des Eintritts des Marks der Nervenfaser ln toto bis ln das Parenchym der Ganglienzelle sah und zeichnet auch Bidder ’-). Er hält solches aber für ein xirtefact: „indem die Ganglienkugel selbst .... an das entgegengesetzte Ende der Erweiterung (Nervenfaser) äuge drängt wird, wird ein Theil der letzteren von dem krümeligen Nerveulnhalt angefüllt, und — je nach dem Grade der Anfüllung —■ bald mehr, bald weniger dunkel und undurchsichtig.“ .... „Zuweilen gelingt es auch, diesen von einer Seite her aus der Nervenfaser ln die erweiterte Stelle eintretenden Nerven- inhalt mittelst Di’uck in die andere Seite der Nervenfaserhöhle hiudurchzutreibeu.“ Bidder ist aber hier, befangen voir seiner Ansicht über die ln der Nervenfasererweiterung „frei schwimmende“ Ganglienkugel, in der Deutung der von ihm gesehenen Dinge nicht streng genug gewesen. Denn wenn es auch zugegeben werden kann, dass man durch Druck und durch eine in Folge dessen ent- standene Zerreissung der zarten Gewebe des Nervenfaser-Marks, das letztere ln die Umgebung des ®*) Stannius, 1. c.; aiicli in i?. Wagner's Neurol. Untersuchungen 1854. p. 89. ®®) Stannius, ibid. und in R. Wagner's Neurolog. Untersuch. 1854. p. 88—91. ■®) Kölliker, Gewebelehre. 1855. p. 291. Kölliker, Mikrosk. Anat. p. 416. ^ Bidder, 1847. 1. c. p. 17. Tab. I. Fig. 1. 5. Tab. II. Fig. 8. Stillin g, Nervenfaser etc. i:](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22281290_0143.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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