Anatomische und mikroskopische Untersuchungen über den feineren Bau der Nerven-Primitivfaser und der Nervenzelle / von B. Stilling.
- Benedict Stilling
- Date:
- 1856
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Credit: Anatomische und mikroskopische Untersuchungen über den feineren Bau der Nerven-Primitivfaser und der Nervenzelle / von B. Stilling. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Die Ansicht von der „Gerinnung“ des jSTervenmai’ks liat sich, wie mir scheint, auch deshalb bis in die neuesten Zeiten unter den Forschern erhalten, weil man glaubte, dass der Hauptbestandtheil der Nervensubstanz, resp. des Contentums der einzelnen Primitivröhren (oder des Nervenmarks), als „Fett“ angesehen werden müsse. Ich will mich absichtlich hier nicht auf das Feld der Controversen der analytischen Chemie der Nervensubstanz einlassen; ich will nur so viel bemerken, dass die verschie- denen Methoden, welche man zur Erforschung der einzelnen Bestandtheile des Nervensystems ange- wendet hat, bis jetzt noch weit davon entfernt sind, genügende Resultate zu geben. Das Haupthlnderniss der Erkenntniss besteht darin, dass es nicht möglich ist, die einzelnen gesonderten Theile des Nervensystems — unvermlscht mit nicht nervösen Theilen — der chemischen Analyse zu unterwerfen. Untersucht man weisse oder graue Hlrusubstanz, so iintersucht man, ohne das verhindern zu können, zu gleicher Zelt Blut, Blutgefässe, Zellstoff u. s. w., und wde bedeutend der Reichthum an diesen Theilen im Nervensystem ist, das braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Untersucht man mikrochemisch einzelne Prlmitiv-Nervenfasern, so hat man es wiederum nicht mit einzelnen gesonderten, unvermlschten, isollrten Theilen zu thun, sondern — gleichzeitig mit den flüssigen Theilen einer Nerven-Prlmlti^’faser untersucht man — ohne es verhindern zu können — auch die festeren Gebilde. Statt des ausgepressten, für ein homogenes Fluidum fälschlich angesehenen „Nervenmarks“ untersucht man die feinsten Elementarröhrchen sammt ihrem Inhalte ; statt des Axencylinders, den man bisher als ein einfaches Gebilde, als aus einem einzigen chemischen Element gewissermaassen zusammengesetzt betrachtete, untersucht man drei verschiedene Röhren, welche wiederum aus den feinsten Elementar- röhrchen zusammengesetzt sind, in deren Höhlungen hinwiederum eine Flüssigkeit enthalten ist. Nicht minder untersucht man in der sogenannten „Hülle“, statt eines einfachen Elements, wiederum nur eine Masse von Elementarröhrchen, welche flüssige Theile einschllessen. Ich sehe vorerst daher nur die Wahrscheinlichkeit, dass eine mikrochemische Analyse bei den allerstärksten Vergrösserungen, -welche allein mir von Werth zu sein scheint, zu einem sicheren Resultate führen dürfte, wenn erst bessere Untersuchungsmethoden überhaupt aufgefunden worden sind. Bis jetzt aber sind aus genannten Grün- den alle die Angaben der analytischen Chemie ohne sicheren Halt; und daher konnte es kommen, dass einzelne Forscher, z. B. Midder ®®), den Axencyllnder für reines Fett hielten, während Andere, z. B. Rudol])]i Wagner, ihn für Elwelss erklärten, und noch Andere, wie Lehmann und K'ölliker, -wieder annahmen, derselbe bestehe aus einer vom gewöhnlichen Faserstoff und vom Muskelfaserstoff verschie- denen Protein-Verbindung d. Die Existenz oder das Vorkommen des Nervenmarks im Allgemeinen betreffend. Es bleibt mir noch übrig. Einiges in Bezug auf die Existenz des Nervenmarks, als eines constanten Elementes aller Nerven-Prlmitlvfasern anzufügen. Bekanntlich hat Stannins 1850 ’) die Behauptung aufgestellt, dass „der wesentliche Unterschied zwischen den Nervenfasern von Petro- myzon und denjenigen der höheren Wirbelthlere darin bestehe, dass jene keinen öligen Inhalt und überh^aupt keinen flüssigen Inhalt haben, dass ihre Markmasse vielmehr bei Behandlung des Nerven mit Wasser als ein ganz homologes, festes Band erscheint“ (p. 87), und Stannins meinte deshalb als „unzweifelhaft annehmen zu können, dass das Nervenmark des Petromyzon dem Axen- Mulder (1. c. p. 655) hielt den Axencylinder für Fett, -welches durch Wasser u. s. w. aus dem ^homogenen« Inhalt der Primitivfaser sich trennt, in der Art, „dass eine Menge Kügelchen zusammenfiiessen, den mittleren Theil einnehmen (Fig. 182. b) und ihm Durchsichtigkeit ertheilen, -während eine eiweissartige Substanz als dicke Schicht sich an die Innenwand der Scheide legt,“ eine Ansicht, welche durch die vorausgegangenen Mittheilungen nicht gerecht- fertigt erscheint. Kolliher, Gewebelehre, 2. Aufl. p. 286. *) S. Bud. Wagner's neurol. Untersuchungen. 1854. p. 85 u. ff. S t i 11 i n g , Nervenfaser etc.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22281290_0047.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)