Topographisch-chirurgische Anatomie des Menschen / von Dr. Rüdinger.
- Nikolaus Rüdinger
- Date:
- 1873-1879
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Credit: Topographisch-chirurgische Anatomie des Menschen / von Dr. Rüdinger. Source: Wellcome Collection.
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![des Nasenraumes, die nur zur Unterlage der Schleimhaut dienen. Das Pflugscharbein — Vomer — stellt im Verein mit der senki-echten Platte des Siebbeines die knöcherne Nasenscheidewand dar. Es ist ein platter aus zwei compakten Lamellen zusammengesetzter Knochen, welcher sich grob- zackig in die Crista palatina einpflanzt, vorn eine Verbindung mit der senk- rechten Platte des Siebbeines und dem Nasenscheidewand - Knorpel eingeht und oben und hinten mit seinen starken etwas lateralwärts umgebogenen Flügeln — Akte vomeris — die Leiste des Keilbeinkörpers unter dessen Höhle umgreift. Sein etwas scharfkantiger, ausgeschweifter hinterer Rand, hinter welchem die Schleimhaut der Nasenhöhle eine Verlängerung bildet, stellt die Scheidewand zwischen den beiden Choanen in bestimmtem Ab- .stand von der Wirbelsäule resp. der Schlundkopfwand dar. Da das Pflug- scharbein zwischen starken Knochen der Schädelbasis und dem harten Gaumen eingekeilt ist, so muss dasselbe als schwächerer Knochen selbst bei geringen Wachsthumsdift'erenzen eine Ausbiegung nach der einen oder anderen Seite hin erfahren, so dass die eine Nasenhöhle bei den meisten Menschen geräumiger ist, als die andere. Der Unterkiefer des Erwachsenen ist ein vorwiegend aus compakter Substanz gebildeter Knochen, dessen Körper den Kau- und Zungenmuskeln zur Anheftung dient. Mit seinem Gelenkfortsatz tritt er mit dem Schläfen- bein in gelenkige Verbindung. Er entwickelt sich aus drei Stücken, den beiden seitlichen grossen Hälften und der kleinen Pars mentalis in der Mitte. An dem cylindrischen Meckel’schen Knorpel baut er sich lateralwärts auf, ohne jedoch aus ihm selbst Bildungselemente zu beziehen. Die ganze Pars mentalis dagegen scheint aus dem Meckel’schen Knorpel selbst hervor- zugehen, so dass man annehmen möchte, der genannte Knorpel reiche de.ss- halb so w'eit nach vorn in das Gesichtsskelet, um der Pars mentalis des Unterkiefers zur Entwickelung zu dienen. Beim Fötus und auch noch l)eim Neugebornen liegen die beiden Aeste der Mandibula fast in derselben Flucht, wie der Körper; beim Erwachsenen aber stellen sich die Aeste mehr senkrecht, so dass sie zum Körper ein bestimmtes Winkelverhältniss zeigen. Der Ängulus maxillae zeigt am männlichen Unterkiefer eine mehr rechtwinklige, beim weiblichen eine mehr stumpfwinklige Form. Der Canalis alveolaris inferior durchzieht den Ast und den Körper. Er beginnt als Foramen maxillare posterius und endet mit dem Foramen mentale. Kleine Kanälchen begeben sich von seinem vorderen Ende gegen die Schneidezähne. Hat die Verschmelzung der drei Stücke des Unter- kiefers nach der Geburt stattgefunden, so erkennt man zwischen der Pars mentalis und den beiden Hälften des Köi])ers keine Grenzmarke mehr. Der llüdinger, topograpliisch-chirurgifclie Aiiatomif. (J](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21310117_0261.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)