Die Fäzes des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger.
- Adolf Schmidt
- Date:
- 1910
Licence: In copyright
Credit: Die Fäzes des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger. Source: Wellcome Collection.
49/510 page 33
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![ir wir besser nicht ganz unseren Kauwerkzeugen überlassen. Namentlich bei solchen Fleischsortcn, deren Bindegewebe schwer verdaulich ist, und bei den meisten Gemüsen kommt auf die Zerkleinerung viel an. Dass Hülsenfrüchte als Brei viel besser ausgenutzt werden, als wenn man sie unzerkleinert geniesst, hat PraussnitzB gezeigt. Das Gleiche gilt für die Darreichung von Kartoffeln; aber selbst bei Genuss von Kartoffelbrei kommen häufig noch makroskopisch erkennbare Teilchen im Kote vor [Constantinidi“)]. Bei flüssiger Kost ist das natürlich unmöglich, doch macht die Milch eine Ausnahme: die mit blossem Auge sichtbaren Milchklümpchen der Säuglingsstühle verdanken ihren Ursprung der Labgerinnung. Es spielt übrigens hier und bei allen. leicht verdaulichen Speisen die Menge des Genossenen mit. Man wird Kaseingerinnsel und Reste aus Kar- toffelbrei in der Regel nur bei Aufnahme grosser Quantitäten dieser Nahrungs- mittel finden. Auch Bindegewebsfetzen und Muskelbruchstücke aus Fleisch sieht man normalerweise nur nach reichlichem Fleischgenuss, z. B. bei Diabetikern. Wenn sehr viel Fett gegessen wird, kann man ferner gelegentlich Speckstücke oder Klümpchen geronnenen Fettes oder auch flüssige, schnell erstarrende Massen abgehen sehen [NothnageD)]. Schilling^, welcher bei frei gewählter Kost (aber anscheinend mit Vorwiegen der zu prüfenden Speise) die Fäzes sorgfältig auf Reste untersuchte, kommt zu dem Schlüsse, dass alle Nahrungs- und Ge- nussmittel, die nicht in Wasser oder Verdauungssäften löslich sind, Rückstände in geringerer oder gi’össerer Menge hinterlassen. Von Fleischsorten soll das rohe Rindfleisch nur dann keine groben Reste hinterlassen, wenn es von der Lende stammt und fein gewiegt ist. b) Zustand der Verdauungsorgane. Während der eine die scliAverst- verdaulichen Speisen geniessen kann, ohne dass man seinen Fäzes auffällige Störungen anmerkt, kommt bei einem anderen ein grosser Prozentsatz aller festen Speisen im Stuhlgang wieder zum Vorschein. Diese Unterschiede beruhen auf der verschiedenen Leistungsfähigkeit der Verdauungswerkzeuge in mechanischer, chemischer und resorptiver Hinsicht. Die mechanische Insuffizienz der Verdauungsorgane beginnt schon mit der Mangelhaftigkeit resp. dem ungenügenden Gebrauch der Zähne. Es ist all- gemein bekannt, dass ungenügendes Kauen die Verdauung erschwert und es braucht hier nur auf das soeben bei der Zubereitung der Speisen Gesagte ver- wiesen zu werden. Viel schwerer zu beurteilen ist der Einfluss, den mangel- hafte motorische Tätigkeit des Magens und Darmes (Peristaltik) auf das Er- scheinen maskroskopisch erkennbarer Speisereste in den Fäzes ausübt. Wir sind gewohnt, dem Magen den bei weitem grösseren Anteil an der mechanischen Verarbeitung der Ingesta zuzuschreiben, und die eigentümliche Art, wie er immer die flüssigen Teile zuerst in den Darm abschiebt und die festen zunächst zurück- bchält, lässt das berechtigt erscheinen. Zweifellos ist aber der Weg, auf dem die Zerkleinerung der Ingesta im Magen vor sich geht, vornehmlich ein chemischer [Lösung des Zwischengewebes, Schmidt'^)]. Die klinische Beobachtung lehrt ferner, dass Lienteric viel häufiger bei motorischen Störungen des Darmes als des Magens vorkommt. Am deutlichsten ist sic allerdings, wenn beide Abschnitte • 1) Zcitschr, f. Biologie. 2(1. 18‘J0. S. 227. 2) Zcitschr. f. Biologie. 23. 1885. S. 433. 3) Zitat s. S. 27 aiib 7. S. 1!). 4) Die Verdaulichkeit der Nahriiiigs- und (icnussniittel auf (Irurnl inikroskopisclicr l'nlcr- siicliungcn der Fäzes., fjeipzig, Hartung u. Solin. 1901. 5) Münch, nicd. Wochen sehr. 1902. Nr. G. Ad. Schmidt und J. S t, r a sh u r g e r, Die Filzes dos Monsclieii. 3. Aull.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112313_0049.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)