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Credit: Krankheiten des Herzens / bearbeitet von N. Friedreich. Source: Wellcome Collection.
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![und bis in die Nähe der rechten Brustwarze, nach links oft bis in die Nähe der Axillarlinie; auch der Höhendurchmesser des Herzens vergrössert sich nicht selten, wenn nämlich das dilatirte hnke Atrium gegen die vor- dere Brustwand sich andrängt. Immer aber präsentirt sich das Herz, wenn man die äussersten Grenzen der Herzdämpfung berücksichtigt, ähn- lich wie bei der Insufficienz der Mitralis, im Ganzen von mehr kugehger Gestalt. Was endlich die Herzbewegungen selbst anlangt, so zeigen sich dieselben in den höheren Graden der Stenose meist sehr ungleichmässig und arhythmisch (§. 226). §. 253. Die aufgezählten local physicalischen Zeichen sind aber nicht in jedem Falle von Mitralstenose in der eben angeführten Weise vorhanden, sondern es kommen in einer nicht geringen Zahl von Fällen gewisse Modificationen, namentlich in Bezug auf das Geräusch am linken Ventrikel vor, deren Kenntniss von grosser diagnostischer Wichtigkeit ist. Allerdings kann es keinem Zweifel unterliegen, dass ein bei Mitralstenose hörbares Geräusch immer und unter allen Verhältnissen in jenen Zeit- raum der. Herzthätigkeit fallen muss, in welchem sich der linke Ventrikel vom Vorhof her füllt, und die Angabe mancher Autoren, dass die Mitral- stenosen sich meist durch systohsche Geräusche am Hnken Ventrikel be- merklich machten, beruht auf falschen Voraussetzungen *). Die Füllung des linken Ventrikels geschieht aber in dem ganzen Zeiträume, welcher zwischen dem zweiten und dem wiederkehrenden ersten Ventricularton gelegen ist. In der That findet sich auch in manchen Fällen von Mitral- •) Bekanntlich hatte Canstatt zuerst den Satz ausgesprochen, dass sich Mi- ■ tralstenosen häufig durch systolische Geräusche am linken Ventrikel zu er- kennen gäben. Wenn man aber die Beweisführung des genannten Autors etwas näher ins Auge fasst, so ergibt sich, dass jene Geräusche, welche derselbe für systolische hält, nämlich solche, „welche dem 1. Ventrikelton vorausgehen und mit diesem enden, keineswegs wirklich systolische sind, sondern offenbar als diastolisch-präsystolische bezeichnet werden müssen, in- dem die Ventrikularsystole erst mit der Entstehung des 1. Herztones beginnt Indem C. als „erstes Herztempo die dem 1. Herztone vorangehende Pause bezeichnet, so 1?verden wohl auch die in dieses Tempo fallenden Geräusche als diastolische zu bezeichnen sein, und es beruht somit die ganze Lehre des genannten Autors auf einem physiologischen Irrthum und einer unrichtigen Eintheilung der einzelnen Herzaclionen. Allerdings findet man bei Mitralste- nosen oft nur ein systolisches Geräusch am linken Ventrikel; es sind dies aber solche Fälle, in denen die Stenose überhaupt kein diastolisches Geräusch bedingt, und es ist alsdann das systolische Geriiusch eben nicht Folge der Stenose, sondern einer gleichzeitig bestehenden Mitralinsufficienz. Rapp frei- lich, welcher Canstatt's Angabe so auffassste, als sei das „Geräusch des ]. Herztempos ein wirklich systolisches, ist der Meinung, C. habe das sys- tolische Geräusch einer secundären relativen Insuificienz der Tricuspidalklappe gehört und dasselbe irrihümlich auf das linke venöse Ostium bezogen, wäh- rend derselbe, um das diastolische Geräusch der Mitralstenose zu vernehmen, weiter in der linken Seite, entsprechend der veränderten Lage des Hnken Ventrikels, hätte auscultiren sollen. Abgesehen aber davon, dass die relative Insufficienz der Tricuspidalis eine keineswegs so häufige Erscheinung ist, wie R. meint, so überzeugt man sich doch andererseits, wenn man die von C. mitgetheilten Krankengeschichten vergleicht, dass Letzterem ein solcher Beobachtungslehler keineswegs zur Last gelegt werden kann, indem derselbe ausdrücklich hervorhebt, dass, wenn man mit dem Stethoscop weiter nach rechts gegangen, das Geräusch verschwunden, und die normalen Töne des rechten Herzens zum Vorscheine gekommen seien.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21918132_0260.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)