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Credit: Untersuchungen aus dem physiologischen Laboratorium in Wurzburg. Source: Wellcome Collection.
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![willkürlich motorischen Nerven auf dem Wege der Atropinvergiftung durch das ki-eisende Blut zu vernichten. Botkin selbst hebt hervor, dass die Lösung frisch sein müsse, und ausserdem giebt er an, dass manch- mal statt des Tetanus noch Zuckungen auf Heizung des vergifteten Nerven eintreten. Wahrscheinlich ist die Sache so zu erklären: das Atropin setzt, wie wir uns in völliger Uebereinstimmung mit Üctkin überzeugt haben, auch die Herzthätigkeit beim Frosche ungemein herab. Giebt man kleine Dosen, so reichen dieselben auch bei ziem- lich regelmässiger Herzthätigkeit nicht aus, um die Muskelnerven zu lähmen; sind die Dosen gross, so wird die Herzthätigkeit zu schnell und zu bedeutend vermindert, so dass die Vergiftung der Muskelnerven bei einem gewissen Grade stehen bleibt, der sich entweder durch eine Verminderung der Erregbarkeit, oder durch die schnelle Erschöpfbar- keit (siehe Versuch X] durch den Reiz auszeichnet. Jedenfalls muss der Nerv sehr viel Gift erhalten, um gelähmt zu werden. Mit dem Pfeilgift ist das Atropin in dieser Beziehung nicht im Entferntesten zu vergleichen. Während die Lähmung der Muskel- nerven die erste, die eigentlich charakteristische Wirkung des Curare ist, ist diese Wirkung die letzte des Atropins, welche nur bei sehr grossen Dosen unter den günstigsten Umständen zu erzielen ist, nach- dem alle übrigen, viel charakteristischeren Wirkungen des Giftes längst eingetreten sind. Beim Säugethiere haben wir diese Wirkung bei Einführung des Giftes in den Blutstrom nie beobachtet, immer waren, nachdem die später zu beschreibenden Atropinwirkungen im stärksten Maasse ein- getreten waren, die quergestreiften Muskeln des Stammes und der Extremitäten noch auf Erregung ihrer Nerven zur Zusammenziehung zu bringen. — ]3oxKiN hat weitere Versuche angestellt, um zu zeigen, dass die Lähmung die intramuscularen Nervenendigungen betrifft, ähnlich der* Lähmung durch das indianische Pfeilgift. Er hat in dieser Beziehung die bekannten Methoden von Bernard und KÖLLiKER, mit Unterbindung der Blutgefässe des Unterschenkels angewandt. Versuch XI ist nach gleicher Methode und mit dem von BoTKiN erwähnten Erfolge angestellt. Wenn es nun sicher ist, dass die intramusculären Nervenendigungen in ihrer Erregbarkeit durch das Atropin zunächst beeinträchtigt werden, so lehren doch die Ver- suche Vn, VIII, IX und XII, dass auch im Nerveustamme selbst das Gift seine Wirkung entfaltet: die obern Enden des Nerven zeigen sich nach der Vergiftung wemger erregbai- als die untern, in der Nähe des Muskels befindlichen Nervenstrecken. Ob die scheinbare Erregbar-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21993257_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)