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Credit: Untersuchungen aus dem physiologischen Laboratorium in Wurzburg. Source: Wellcome Collection.
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![ontstelieu. Eine Umucbelung der »Sinne, verbnnden mit Jactation und Delirien, stellt sich ein. Oft beobachtet man statt dessen Zustände der Angst, mit Erhaltung- des l^ewusstsoins. Endlich werden auch völlig tohsuchtartige Anfälle, verbunden mit völliger Bewusstlosigkeit, be- schrieben. Neben diesen Erscheinungen, Avelche auf eine ganz eigenthiimliche Wirkung hinzielen, welche das Gift auf die Grosshirnsubstanz ausübt, wird berichtet von veitstanzähnlichen T^eweguiigen, klonischen Streck- krämpfen, hydrophobischen Anfällen, die sich in leichten Kinnbacken- krämpfen zu erkennen geben. Von Röthung des Gesichtes, von einer verwaschenen schmutzigen E,ötlie der Conjunctiva sprechen die meisten Beobachter fast ebenso übereinstimmend, wie von dem eigenthümlichen stieren ]3lick und der erweiterten Pupille, dem Bleich- und Undeutlichsehen der Vergifteten. Die Einwirkung auf den Darmtractus giebt sich in einem eigen- thümlichen Trockensein und in abnormer Rothe der Mund- undEachen- schleimhaut kund. Meistens ist Stuhlverstopfung vorhanden. Die Haut ist trocken, trotz der Eöthe nicht übermässig heiss. Die Kreislaufserscheinungen der Vergifteten manifestiren sich in einem beschleunigten »sonst nicht wesentlich verändertem Herzschlage«. Diese Beschleunigung kann aber eine enorm grosse werden. Es sind 110, 120, 140, 150 Herzschläge bei Ati-opinvergifteten beobachtet wor- den. Die Aerzte haben diese Erscheinungen unter dem Namen der » Aufregung des Gefässsystems a zusammengefasst. Die Athembewegun- gen »stossweise, stöhnend, beschleunigt«. Von Seite der Harnorgane zeigen sich Harnbrennen, und öfters unwillkürliches Harnlassen. Den Aerzten schien nach diesen Symptomen das Belladonnagift seine Wirkung »zwar auf das gesammte Cerebrospinal- und Ganglien- system zu erstrecken, aber namentlich indeniV?^. vagis und den Augen- nerven dieselbe zu concentriren«*). Die »scharf narcotische« AVirkung sollte sich namentlich in der Reizung der Harnwerlizeuge concentriren, »der Trieb nach der äussern Haut dagegen gleich Null« sein. Von den therapeutischen Wirkungen scheint es hauptsächlich Eine zu sein, welche sich als eine sichere bewährt hat: Dies ist die Einwirkung der Belladonna und des Atropin auf die Gefühlsnerven; eine Einwirkung, welche in dem Herabsetzen der Erregbarkeit dersel- ben besteht. Von dieser Wirkung sind, wie es den Anschein hat, schon seit langer Zeit heilsame medicinische Anwendungen gemacht Avorden, und zwar sowohl bei Hyperästhesie der Hautnerven, als auch bei jenen *) Siehe Schmidt's Jahrbücher 1856, Bd. 92 S. 178.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21993257_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)