Beiträge zur vergleichenden Anatomie des Auges / von Hans Virchow.
- Virchow, Hans, 1852-
- Date:
- 1882
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Credit: Beiträge zur vergleichenden Anatomie des Auges / von Hans Virchow. Source: Wellcome Collection.
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![Aber auch Hannover ist dem Einwände niclit entgangen, Kunst- prodiikte für wahre Strukturen angesehen zu haben. Und in der That, da solche nur mit Hülfe von Reagentien nachgewiesen werden können, und da jede Flüssigkeit nur Schicht um Schicht vom Glaskörper Be- sitz ergreifen kann, da die äusseren Lagen mithin zuerst betroffen werden, so bleibt es auf ewig discutirbar, dass sie, verändert, die Einwirkung auf die innere Masse beeinflussen. Indessen man würde doch Unrecht thun, wenn man die sehr bevorzugte Stellung des Hannover'schen Reagens verkennen wollte. Dünne Ghromsäure schlägt nämlich in dem Glaskörper — wenigstens sichtbar — zu- nächst gar nichts nieder (späterhin freilich trifft man die gieich- mässig grossen Körner, welche Hannover [Taf. II Fig. 26] abbildet.) Dieses Ausbleiben einer sichtbaren Gerinnung beruht nicht etwa auf irgend einem dunklen Einfluss im Innern des Glaskörpers, denn man kann aus einem solchen, nachdem er sich mit Chromsäure imprägnirt hat, eine Flüssigkeit auspressen, und man kann ebenso die aus einem unimprägnirten Glaskörper ausgedrückte Flüssigkeit mit dünner Chrom- säure versetzen — in beiden Fällen hat man ein hellgelbes Fluidum, in dem man weder mit blossem Auge eine Trübung noch mit dem Mikroskop Niederschläge findet. Uebrigens verdient hier fast das unbewaffnete Auge den Vorzug (ich sage das nicht, um die Controle durch das Mikroskop auszuschliessen), da es, beispielsweise bei der Einwirkung von Pikrinsäure auf Glaskörperflüssigkeit, schon Trübun- gen wahrnimmt, wo man mit Vergrösserungen noch gar keine körper- lichen Ausscheidungen bemerkt Wenn man also den Glaskörper mit irgend welchen Reagentien behandeln will zum Zweck der Feststellung einer Struktur, so ist es eine ebenso naheliegende wie unerlässliche Forderung, einen Parallelversuch mit der aus ihm ausgepressten Flüssig- keit zu machen. Diese Controle ist auch mehrfach angestellt wor- den, aber in unklarer Weise. Vor allem geht es natürlich nicht an, wie Finkbeiner das gethan hat, nicht nur die Flüssigkeit, sondern auch die Häute in ihrem Verhalten gegen 'das Reagens prüfen zu wollen, denn die letzteren bleiben immer mit der Flüssigkeit benetzt, wenn man sie auch noch so sorgfältig von derselben zu befreien sucht und sie nicht nur auf dem Objektträger hin und her zieht*). Ueber- *) Finkbeiner, Vergleichende Untersuchung der Struktur des Glaskörpers bei den Wirbelthieren. Ztschr. f. wissensch. Zool. VI. Bd. Leipzig; 1855. S. 330.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22288338_0008.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


