Grundriss der klinischen Bakteriologie für Ärzte und Studirende / von Ernst Levy und Felix Klemperer.
- Levy, Ernst, 1864-
- Date:
- 1898
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Credit: Grundriss der klinischen Bakteriologie für Ärzte und Studirende / von Ernst Levy und Felix Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![1 Diese Streptotricheen stehen in der Mitte zwischen den Faden- pilzen lind den eigentlichen Bakterien, sie zeichnen sich durch Fadenbildung und ganz besonders durch ihre in Folge von Sprossung entstandene Verästelung aus. ln alten Culturen zerfallen die Fäden in bacillen-, spirillen- und kokkenähnliche Gebilde. Daher der Eindruck der Pleoniorphie. Eine weitere Eigenthümlichkeit der Streptotricheen ist die Bildung von ljufthyphen, die durch Segmentation Keimzellen (Sporen) ab- gliedern. Den bakteriellen Sporen sind diese wahrscheinlich nicht gleich zu stellen, da sie bereits durch 5 Minuten langes Erhitzen auf 75 ° vernichtet werden. Immerhin aber ertragen sie höhere Temperaturgrade als die Fäden, welche ihrerseits schon bei 60° absterben. Nach unseren eigenen Untersuchun- gen sind wir der Ansicht, dass die Actinomycesgruppe eine Unterabtheilung der Fadenpilze darstellt. In letzter Zeit ist bei den Tuberkel- und Diphtherie- bacillen auf Befunde von Verzweigung, Keulenbildung und ‘ körnigem Zerfall aufmerksam gemacht worden, die stark an , die Streptotricheen erinnern. Auf Grund solcher Beobachtun- . gen haben sich einzelne Autoren sogar entschlossen, die Erreger der Diphtherie und der Tuberculose mit der ganzen Actino- mycesgru])pe den Hy|)homyceten einzureihen. Eine derartige Eintheilung ist wohl als verfrüht zu bezeichnen; immerhin aber ist die Annahme berechtigt, dass die Tuberkel- und j Diphtheriebacillen in verwandtschaftlicher Beziehung zu dem Strahlenpilz und der von demselben repräsentirten Gruppe stehen. Mit der variablenAVuehsform nicht zu verwechseln sind die Involutionserscheinungen. Diese treten aul, wenn der Nährboden erschöpft ist und die Bakterien abzu- i sterben beginnen; die Zellen quellen dann auf, werden dick und plump, zeigen Lücken, zerfallen wohl auch u. dergl. m. Ob alle diese sonderbaren Formen auf Degeneration zu- rückgeführt werden dürfen, ist eine Frage, die zum mindesten noch olTen bleiben muss. Es ist sehr wohl möglich, dass j die ganz grossen, die sogenannten Kiesengebilde, vielmehr in ; i ,1](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2814109x_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


