Grundriss der klinischen Bakteriologie für Ärzte und Studirende / von Ernst Levy und Felix Klemperer.
- Levy, Ernst, 1864-
- Date:
- 1898
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Credit: Grundriss der klinischen Bakteriologie für Ärzte und Studirende / von Ernst Levy und Felix Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![den Hund tödten würde, wird bei intraabdominaler Dar- reichung' nocli ohne Störung vertragen. Umgekehrt wirken z.B. Cholerabacillen beim Meerschweinchen von der Peritoneal- höhle aus weit stärker, als bei subcutaner Einverleibung. Rinder, ertragen anstandslos Rauschbrandbacillen, die ihnen intravenös zugeführt werden, während dasselbe Material, subcutan applicirt, unweigerlich die Krankheit hervorruft. In ähnlicher AVeise ist es für das Zustandekommen einer In- fection auch in der menschlichen Pathologie von Bedeutung, wo die Bakterien in den Körper hineingelangen. So dürfte die Cholerainfection für gewöhnlich nur vom Darm aus, die pneumonische nur von den oberen Luftwegen aus er- folgen können; wenigstens ist die subcutane Injection nicht zu vrosser Mengen von Cholerabacillen oder Pneumokokken für den Menschen nachgewieseiiermaassen ohne schädliche Folgen. d) Die Eiiipfäiigliclikeit des iiilicirten Organismus (Dispo- sition). Die Empfänglichkeit verschiedener Thierarten für eine Infectionskrankheit ist eine verschieden grosse. Für den Tetanus z. B. ist das Meerschweinchen und die weisse ]\Iaus hochempfänglich, das Kaninchen weit weniger, das Huhn aber so wenig, dass es überhaupt nur sehr schwer gelingt, bei ihm Tetanus zu erzeugen. Für keine Bakterienart über- haupt sind alle Thiere gleich empfänglich; auch gegenüber dem für Rindvieh, für Mäuse und Meerschweinchen so infec- tiösen Milzbrand sind Ratten, Hunde und Vögel fast gar nicht empfänglich; Kaltblüter ertragen die pathogenen Mikroorga- nismen fast durchgehends ohne Schaden. Auch bei ein und derselben Thierspecies finden sich Empfänglichkeitsunterschiede gegenüber derselben Bakterien- art. So erkranken Feldmäuse an Rotz, weisse Mäuse aber nicht. Aeltere Thiere sind im allgemeinen weniger leicht zu inficiren, d. h. weniger empfänglich, als junge Thiere. Wir bezeichnen die angeborene Empfänglichkeit als natürliche Disposition. Diese Disposition ist nun selbst bei demselben Thiere keine constantc Grösse, sie kann verstärkt und vor-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2814109x_0043.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


