Lehrbuch der klinischen Untersuchungs-Methoden fur die Brust- und Unterleibs-Organe : mit Einschluss der Laryngoskopie / von Paul Guttmann.
- Date:
- 1872
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Credit: Lehrbuch der klinischen Untersuchungs-Methoden fur die Brust- und Unterleibs-Organe : mit Einschluss der Laryngoskopie / von Paul Guttmann. Source: Wellcome Collection.
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![Fieber. Pulsfrequenz. alle Abend; viel seltener sind die Fälle von ein- oder mehr- tägigen Intervallen, wo auch die Abendtemperatur normal bleibt. — Beide Temperaturtypen kommen bei den mannicbfaltigsten Krankheiten des ßespii’ationsapparats (z. B. den käsigen zur Bungenphthisis lührenden Pneumonien), sowie chronisch - ent- zündlichen Krankheiten der Unterleibsorgane vor. Das zweite Fieberzeichen, die Vermehrung der Puls- frequenz, giebt bei Weitem nicht einen so sicheren Werth- luesser ab für die Höhe des Fiebers, als die Temperatur, weil sie nicht in jedem Falle mit der Temperatur in gleichem Ver- hältniss steigt und sinkt. Die normale Pulszahl des Erwachsenen schwankt zwischen 60 und 80, im Durchschnitt beträgt sie 72 in der Minute. Die lieberhaften Pulsfrequenzen bewegen sich in den Grenzen von 30—150, und zwar kann man, aber nur im Allgemeinen, Puls- frequenzen bis 100 als mässiges Fieber, über 100—120 als ziem- lich starkes und über 120 als hochgradiges Fieber bezeichnen; Pulsfrequenzen über 140—150 sind in der Acme der schwer- sten Krankheiten schon selten, noch seltener mit günstigem Aus- gange; über 150—160 Pulse, die daun sehr klein und fadenförmig werden, kommen fast nur gegen das Lebensende der schweren acuten Organ- oder Infectionskrankheiten und unter den nicht fieberhaften, d. h. nicht von Temperaturerhöhung begleiteten Krankheiten, nur bei der Basedow’schen Krankheit in verein- zelten Fällen vor*). Im Allgemeinen verlaufen die acuten Krankheiten bei Kin- dern, deren normale Pulsfrequenz schon höher ist, auch unter einer höheren Pulsfrequenz als bei Erwachsenen; auch schwäch- liche Individuen zeigen im Fieber unter sonst gleichen Bedin- gungen eine höhere Pulsfrequenz als robuste. — Disproportio- nen zwischen Temperatur und Puls, und zwar ziemlich hohe Temperatur bei niedriger Pulsfrequenz und umgekehrt, sind äusserst häufig; wo diese Differenzen aber sehr bedeutend sind, *) Auch die seltenen Fälle von Compression des Halsvagus, bedingen dadurch eine sehr hohe Pulsfrequenz, dass der regulatorische Einfluss dieses durch die Compression gelähmten Nerven auf das Herz aufgehoben ist. In einem Falle meiner Beobachtung war der Vagus am Halse durch eine grosse Lymphdrüsen- geschwulst comprimirt, die Pulsfrequenz betrug 160 (ohne Erhöhung der Tem- peratur],](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925227_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)