Die experimentelle Chemotherapie der Spirillosen (Syphilis, R ückfallfieber, Hühnerspirillose, Frambösie) / von Paul Ehrlich und S. Hata; mit beiträgen von H.J. Nichols, J. Iversen, Bitter, und Dreyer, mit 27 Textfiguren und 5 Tafeln.
- Paul Ehrlich
- Date:
- 1910
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die experimentelle Chemotherapie der Spirillosen (Syphilis, R ückfallfieber, Hühnerspirillose, Frambösie) / von Paul Ehrlich und S. Hata; mit beiträgen von H.J. Nichols, J. Iversen, Bitter, und Dreyer, mit 27 Textfiguren und 5 Tafeln. Source: Wellcome Collection.
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![Recurrenskranken eingeführt, ist imstande, an beliebigen] Tage eines beliebigen Anfalles, innerhalb 7—14, aber spätestens in 20 Stunden den Anfall zu coupieren und in 92% aller Fälle einen weiteren Anfall zu verhüten, d. h. eine einzige Injektion dieser Substanz sterilisiert das Blut eines mit Recurrensspirochäten in- fizierten Menschen. 2. Die therapeutische Dosis für Recurrens beträgt 0,2—0,3 dieser Substanz. 3. Nach Injektion einer solchen Quantität des Büttels ver- schwinden die Spirochäten innerhalb 4—10 Stunden aus dem Blute vollständig und können nicht mehr nachgewiesen werden. 4. Die Temperatur fällt nach der Injektion sukzessive im Ver- lauf von 7—14 Stunden, spätestens aber nach 20 Stunden meist unter profusem Schweiß ohne Kollaps bis unter die Norm. Gleich- zeitig schwinden alle subjektiven Beschwerden. 5. Das Dioxydiamidoarsenobenzol übt in den meisten Fällen an den Injektionsstellen einen lokalen Reiz aus, der sich in Schmerz- haftigkeit und Infiltraten äußert, welche individuell sehr variabel sind und in manchen Fällen längere Zeit bestehen. 6. Die intravenöse Injektion dieser Substanz ist vollständig schmerzlos, wird von keinen unangenehmen Nebenerscheinungen begleitet, und die Wirkung tritt 3—4 Stunden schneller als bei intramuskulärer Injektion ein. Das Krankenmaterial für diese Beobachtung war nicht zahl- reich genug. Jedenfalls zeigt aber die Kombinationskurve der mit diesem neuen Mittel behandelten Fälle (Kurve 15) einen ekla- tanten Erfolg des Mittels. Ebenso ergibt sich aus einem Vergleich dieser Kurve mit den Kurven 1—3 eine weit überragende Wirksamkeit des Dioxydia- midoarsenobenzols dem Atoxyl und Arsacetin gegenüber. Aus dieser kurzen Übersicht des behandelten Materials geht mit unzweifelhafter Deutlichkeit hervor, daß wir. wenn wir von der Chininwirkung bei Malaria absehen, hier zum erstenmal in der Therapie akuter Infektionskrankheiten einem so klaren und schlagenden Beweise der spezifischen parasiticiden Wirkung eines Medikamentes gegenüberstehen, welche gerade an diesem Bei- spiel der menschlichen Pathologie so überzeugend ad oculos de- monstriert werden kann. Aus unserer Beobachtung geht hervor, daß der kritische Temperaturabfall nicht auf einer sog. antipyre-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2102585x_0119.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)