Die hippokratische schrift von der siebenzahl und ihr verhältnis zum altpythagoreismus : ein beitrag zur geschichte der ältesten philosophie und geographie / [Wilhelm Heinrich Roscher].
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1919
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Credit: Die hippokratische schrift von der siebenzahl und ihr verhältnis zum altpythagoreismus : ein beitrag zur geschichte der ältesten philosophie und geographie / [Wilhelm Heinrich Roscher]. Source: Wellcome Collection.
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![daß die Kugelgestalt der Erde liier nicht einfach mit dem Ausdruck öcpaigosLÖrjg wie bei den Späteren, sondern in eigentümlich unbeholfener, d. h. hochaltertümlicher, Weise be¬ schrieben wird. Wenn freilich Boll (a. a. 0. S. 54), um die Originalität dieser Theorie zu bestreiten und sie samt ihrem Vertreter in eine spätere Zeit (450—350) herabzurücken, die skeptische Frage aufwirft: 'Ist wohl jemals in heißer Arbeit [?] er¬ rungene neue Wahrheit, die noch 2000 Jahre später Hohn und Verfolgung fand, ,so [d. h. ohne genauen Induktions¬ beweis] in die Welt gesetzt worden?’, so habe ich darauf folgendes zu erwidern: 1) Es fragt sich von vornherein, ob unser Verfasser die Kugelgestalt der Erde beweislos als eine geniale Hypothese oder auf Grund eigener detaillierter Forschung ausgesprochen hat. Ich halte erstere Annahme für viel wahrscheinlicher und dem sonstigen Charakter des Hebdomadikers entsprechender als die zweite. Er ist einfach einen kleinen Schritt weiter¬ gegangen als Anaximander und Anaximenes, die auch schon die Kugelform des Alls angenommen und die rundliche ent¬ weder säulentrommel- oder tischplattenförmige Erde in dessen Mittelpunkt versetzt hatten, und hat zum ersten Male auch die Kugelform der Erde beweislos als eine überaus nahe¬ liegende Annahme ausgesprochen. Ja ich halte es sogar für möglich, daß unser Hebdomadiker gar nicht der eigentliche Entdecker der Kugelgestalt der Erde gewesen ist, sondern nur eine damals in Milet gewissermaßen 'in der Luft liegende’, von einem oder mehreren uns unbekannten altionischen Denkern vertretene Idee105b) sich angeeignet hat. Daran, daß unser Heb¬ domadiker in diesem Falle den Namen des eigentlichen Ur¬ hebers der Theorie nicht genannt, sondern sie als seine per¬ sönliche Errungenschaft hingestellt haben sollte, ist durchaus kein Anstoß zu nehmen. Gilt doch für die ältesten Philo- 105b) Vgl. Beuger, Gesell, d. Erdkunde 2 S. 33. 39. 176 f. A. 1, der die Lehre von der Erdkugel zuerst in Ägypten und Babylon ent¬ standen denkt. /](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29979109_0080.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)