Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher].
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1900
Licence: In copyright
Credit: Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher]. Source: Wellcome Collection.
127/144 page 121
![haften Miterzeugers. . . . Viele Geburten von Helden oder Heiligen sind nach jungfräulicher Empfängnis durch Beschattung im Alptraume erfolgt (s. oh. g. 35 f.Y . . . Die Nachtzeit, in der die Nachtgeister nächtlich quälende Krank- heiten, z. B. den Davor nocturnus (ob. S. ii Anm. 14 u. Anm. 77), veranlassen, sowie der höchste Sonnenstand bildeten sich so zu Schwarmzeiten der elbischen Geister aus; so wurde das St. Johannesübel oder der St. Veitstanz, d. h. die in der Zeit der Sommersonnenwende am St. Johannes- oder St. Veitstage am häufig- sten behandelte Krankheit, zum Morbus solstitialis. . . . Dass von diesen nächtlich und mittäglich quälenden Druckgeistern zu den Fieberdämonen, die sich auch als Pestdämonen zeigen, kein weiter Schritt in der Entwickelung des Dämonismus ist, liegt auf der Hand (s. ob. S. 9 Anm. 10. S. 25 f. S. 5 1 f.). Wie das akute Delirium, so musste auch das chronische Delirium, die Geisteskrankheit, eine Folge der elbischen Besessenheit sein (vgl. S. 79 ff.). . . . „Was der modernen Medicin Miasma ist, war der vorwissenschaftlichen Epoche der Anhauch oder die „Anwaht“ von Seiten der über dem Boden und über den Gewässern nach Mückcn- art schwärmenden elbischen Geister“ u. s. w. — Ich habe diese Bemerkungen Höflers deshalb hier verhältnismässig ausführlich wiedergegeben, weil mir die Uebereinstimmung eines erfahrenen praktischen Arztes, der zugleich auf dem Ge- biete der deutschen Volkskunde und Volksmedicin eine hervorragende Autorität besitzt, mit meinen eigenen, von einem ganz anderen Standpunkte aus gewonnenen Ansichten von grossem Werte ist. Zu S. 67 ff. Zu den literarischen Zeugnissen für die Funktion des Pan als Alpdämon kommt jetzt noch ein ziemlich sicheres monumentales, das wir Furt- wänglers Scharfblick zu verdanken haben. Derselbe beschreibt eine interessante, im Kgl. Antiquarium in Berlin befindliche Terrakottagruppe aus Tanagra im Jahrb. d. archäol. Instit. VII (1892), Arch. Anzeiger S. 109 folgendermaassen: (Inv. 8301). 'Merkwürdige kleine Gruppe noch etwas strengen Stiles [5. Jahrh.?] aus Tanagra. Der bärtige gehörnte Pan hat einen weiten Mantel um, der nur die rechte Brust frei lässt, imd ist gelagert neben und teilweise über einer anscheinend weiblichen ebenfalls gelagerten Figur. Es scheint, der Dämon lässt sich verhüllt über einer Sterblichen nieder? — Wahrscheinlich bezieht sich die Gruppe auf den Volksglauben vom 'Ecpuxkt^g oder ’Eiucclxrig, welcher dem Pan gleichgesetzt, also wie dieser halb bocksgestaltig gedacht wurde; er ist gleich dem lateinischen Incubus, dem nächtlichen Alp und geilen Dämon, der sich namentlich auf den Frauen niederlässt.’ Viel weniger sicher ist „Pans Epiphanie als icpidXxrjg11 (Crusius im Philol. 50 S. 106 Anm. 21) auf einem Sarkophagrelief im Britischen Museum (Descript. of . . . anc. marbles in the Brit. Mus. X Plate XXXVH), dessen Beschreibung a. a. 0. p. 87 f. so lautet: „Punishment of Pan. . . . An aged Satyr has raised Pan upon his back, and is holding him fast in his position by his two hands, at the same time a young Satyr has seized the offender by his tail, and with a stout. whip is in- flicting upon him a severe flagellation. The distorted features of Pan and the convulsive contractions of his hind legs sufficiently shew that he is smarting bitterly under the blows of his young tormentor. Tliis scene takes place beneath the spreading branches of an aged oak, at the foot of which is placed an altar decorated with garlands of flowers, and covei’ed with fruit, among which appears a large cone of the pine tree.“ Die andere Schmalseite desselben Sarkophags (Plate XXXVIII; vgl. p. 89) stellt den bärtigen gehörnten Ziegenpau dar, der in betrunkenem Zustande von zwei Eroten und einem Satyr auf den Schultern davon-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2487677x_0127.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


