Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher].
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1900
Licence: In copyright
Credit: Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher]. Source: Wellcome Collection.
17/144 page 11
![Erlebnis des Arztes Waller mit, der eine Alperscheinung hatte, die er längere Zeit mit der Wirklichkeit verwechselte, bis er inne wurde, dass es sich nur um einen Traum handelte. Derselbe Macnish sagt a. a. 0. S. 105: 'Bisweilen sind wir [beim Alpdruck] beinahe ganz wach, und je mehr wir wach sind, desto heftiger ist der Anfall. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mich das Alpdrücken befiel, während ich Herr aller meiner Sinne war, und habe doch die grössten Qualen bestanden’ (vgl. ebenda S. 113 die merkwürdige Selbstbeobachtung eines Alpdrucks bei Tage). Diese Ansicht Macnishs scheint einigermaassen bestätigt zu werden durch Citbasch, welcher in seiner Schrift 'Der Alp’ Berlin 1877 S. 25 Folgendes bemerkt: 'Oft scheinen die Traum- bilder nach dem Erwachen noch fortzubestehen; es ist dies eine Eigentümlichkeit, die nicht nur dem Alp zukommt, sondern bei lebhaften Träumen aller Art oft beobachtet wird. Dieses Fortbestehen der Visionen kommt auf Rechnung der Schlaf- trunkenheit, jenes Zustandes, welcher den Uebergang vom Wachen zum Schlafen oder umgekehrt bildet, und beweist nur, dass man noch nicht aufgehört hat zu träumen und dass der Schlaf noch nicht ganz abgeschüttelt ist. Die günstigsten Be- dingungen für die Entstehung dieses Zustandes sind gegeben, wenn man aus tiefem Schlafe plötzlich aufgeschreckt wird, sei es nun durch ängstigende Träume oder durch andere Umstände.14) Traum- darüber lassen kann, dass der lebendige Glaube an Alpwesen am einfachsten durch die Lebendigkeit der Traumvorstellungen zu erklären sei.’ S. auch ebenda I S. 46 f. 14) Hierher scheinen u. A. auch zu gehören die sogen, pavores nocturni (night terrors) der Kinder vom 3. bis 7. Lebensjahre. Dieselben 'pflegen wäh- rend des tiefsten Schlafes, mehrere Stunden nach dem Einschlafen, ohne alle Vorboten stattzufinden. Die Kinder richten sich gewöhnlich urplötzlich um Mitter- nacht mit geröthetem, in Schweiss gebadetem Gesicht auf. Der starre, auf einen Punkt gerichtete Blick, die verworrene Sprache, die Reaktionslosigkeit auf Zu- rufen und Fragen deuten darauf hin, dass das Bewusstsein umflort ist. Die Karotiden pulsiren, das Herz schlägt stürmisch, die Hände zittern vor Angst. Zureden ist fruchtlos, die Sinne bleiben unter dem wuchtigen Eindruck einer Schrecken und Furcht einflössenden Vision gebannt. Zuweilen stossen die Kinder einzelne unverständliche Laute und Worte heraus: „Da, da, Hund, Mann“ u. s. w., die sich offenbar auf die beängstigenden Visionen beziehen. Oft gelingt es erst nach längerer Zeit, (15—20 Min.) die Kinder zu beruhigen’ u. s. w. Vgl. Soltmann in Eulenburgs Realencyclop. der ges. Heilkunde2 XIV S. 425 unter 'Night terrors’. Die Mehrzahl der befallenen Kinder leidet an unregelmässiger Ver- dauung, Dyspepsie, Stuhl Verstopfung, Gastrokatarrh, Anämie, Skrophulose, Rhachitis. Bisweilen kommt der pavor noct. auch bei Typhus, Scharlachlieber und bei](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2487677x_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


