Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher].
- Wilhelm Heinrich Roscher
- Date:
- 1900
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Credit: Ephialtes : eine pathologisch-mythologische Abhandlung über die Alptraume und Alpdämonen des klassischen Altertums / [Wilhelm Heinrich Roscher]. Source: Wellcome Collection.
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![Auch förmliche Alpdruckepidemien haben schon die antiken Aerzte beobachtet; vgl. Cael. Aurel, a. a. ().: 'Memorat denique Silimachus (schreibe: Callimachus), Hippocratis sectator, contagione quadam plurimos ex ista passione veluti lue apud urbem Romam confectos’. Gemeint ist hier offenbar der bekannte Hippokrateer Kallimachos, Schüler des Herophilos, der dem 3. od. 2. Jahrhundert vor Chr. angehört.43) Im Uebrigen betonen die antiken Aerzte, namentlich Soranos, nachdrücklich, dass der Alptraum nur dann für eine gefährliche Krankheit zu halten sei, wenn er bei dem- selben Individuum öfters (chronisch) auftrete44), in welchem Falle er Bleichsucht, Abmagerung, Schlaflosigkeit und Verstopfung, ja § 404. Laistner, Rätsel d. Spliinx I 41 (derjenige, welchen die Murawa drückt, mufs ihr die kleine Zehe berühren, alsdann verlässt sie ihn). I 52 (man muss der Pschezpolnica den Finger festnageln, dann entflieht sie), ib. S. 53 (man mufs die Murawa oder die alpdrückende Hexe mit den Fingern packen oder hei den Haaren festhalten); vgl. ebenda S. 54. 55. 57. 59. — Schwieriger ist der Ausdruck xcdv daxxvXcov Gvvayd’Evxcov bei Paulus Aegineta, da man nicht recht weiss, ob die Finger des Alpdämons oder die des Gequälten gemeint sind. Im ersteren Falle hat der Ausdruck ungefähr denselben Sinn wie die Worte des Soranos bei Caelius, in letzterem Falle kann man an den antiken Aberglauben denken, dass das Händefalten oder das Zusammenballen der Finger zur Faust (xjmmv r. yEioag: Anton. Lib. 29 [Gegensatz: aviivca x. %EiQag ib.], digitos pectinatim inter se implectere |iungere]: Plin. h. n. 28,59. Ov. Met. 9,299. x. ysiQag 6vve%£iv: Istros b. Schol. z. II. T 119) für einen wirksamen Gegenzauber galt (vgl. auch Welcher, Kl. Sehr. 3, 191, 12. Liebrecht, Z. Volksk. 322. 360. Grimm, D. Mythol.4 984). Nach Wuttke a. a. 0. § 419 schützt man sich gegen Alpdrücken, 'wenn man die Daumen einzieht’ (vgl. § 401). 'Wem es gelingt, mit der grossen Zehe dreimal wider das Bettgestell zu drücken, der verscheucht die Murawa’ (Veckenstedt, Wend. Sagen S. 131. Laistner a. a. 0. II S. 230). Allen diesen Annahmen liegt natürlich die Erfahrung zu Grunde, dass der Alp- druck sofort verschwindet, sobald der Schlafende durch eine kleine Bewegung der äussersten Extremitäten (Finger und Zehen) die verlorene Bewegungsfähigkeit wieder gewinnt (s. ob. S. 7 Anm. 5). 43) Vgl. über ihn Susemihl, Gesch. d. gr. Litt, in d. Alexandrinerzeit I 778. 827. II 682. S. auch Cael. Aur. Acut. morb. 3, 17 p. 235 cd. Amman, wo statt Salimachus ebenfalls Callimachus zu schreiben ist. 44) Soran. b. Cael. a. a. 0.: Accidens igitur semel, ita ut nullam vigilantibus querelam aut displicentem sanitatem |= d. valetudo = Uebelbefinden] faciat sed solius somni turbatio noscatur, minime passio dici potest, sicut neque semel effectus per somnum seminis lapsus, quem Graeci ovsiQoyovov [schreibe övEiQcoyfiov \ appellant, passio nuncupatur, nisi iugiter atque cum corporis incommoditate fuerit effectus. Oribas. a. a. 0. <I>vXaHX£Ov ovv xd deivdv aQ%6(i£vov, y^oviGav yuQ Kal <(ßvv£ycög)> vvxxug inmlnxov voßi'jfiaxa xeov fisyaXcav .... ayyiXlEi, womit Atitios u. Paul. Aeg. fast wörtlich übereinstimmen. (Vgl. Anm. 47). Auch Scribonius Larg. 100 u. Psellos carm. v. 12 erblicken im Alpdruck nur dann eine Krankheit, wenn er öfter (saepius, noXXüyug) eintritt.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2487677x_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


