Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig.
- Franz König
- Date:
- 1883-1889
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig. Source: Wellcome Collection.
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![zusaramenfallen können. Ueber die Todesart der Thiere und Menschen nach Lufteintritt sind sehr verschiedene Ansichten geäussert worden. In den meisten Fällen mag der Tod eintreten durch Erstickung. Die Luft gelangt aus dem Herzen in die Lungenarterie und verhält sich hier gleich einem grossen Luftpropf, welcher für Augenblicke die Cir- culation unterbricht, und zeitweise Füllung des linken Ventrikels mit frischem, arteriellem Blut verhindert. Dadurch tritt momentane Gehirn- anämie ein mit ihren Folgen (Convulsionen) [Panum]. Uebrigens geht nur ein Theil der Versuchstiere und auch der Men- schen an den Folgen der^eingedrungenen Luft zu Grunde. Dieselbe kann resorbjrt werden. Sie wird zuweilen auch durch starke exspira- torische Bewegungen sammt einem Blutstrahl wieder ausgestossen aus dem Venenloch. Tödtliche Fälle von Lufteintritt bei Operationen am Hals sind nicht sehr häufig. Greene*) hat 1864 die Zahl von 67 Fällen zu- sammengestellt, von welchen übrigens ein grosser Theil unsicher ist. Das erste Symptom, welches man gewöhnlich mit der Verletzung der Vene gewahrt, ist der hörbare schlürfende, schwirrende Ton beim Ein- strömen der Luft. Setzt man den Finger auf das Venenloch, so hört das Geräusch auf. Je nach der Menge der Luft kann nun mit einem Aufschrei des Kranken eine Ohnmacht eintreten, welche sofort in Tod übergeht; andere Patienten erholen sich aus der Ohnmacht, oder sie bekommen überhaupt nur schwere Beängstigung, erschwerte Athmung und Pupillenerweiterung (ein von mir beobachteter Fall). In einer Reihe von Fällen traten die verschiedenartigsten Krämpfe auf. 27mal erfolgte in den Greene’schen Fällen Genesung. Wir haben in dem speciellen Theile dieses Werkes, Bd. I., Abth. Hals, die Methode der Operation von Halsgeschwülsten beschrieben, und dort darauf hingewiesen, was man thun soll, um die Verletzung grosser Gefässe überhaupt, und der Venen zumal, zu vermeiden. Ist die Venenverletzung wahrscheinlich, so thut man gut, sich vorher den centralen Theil der Vene bloszulegen, auch für den Fall, dass man bewusst durchschneidet, vorher zu unterbinden. Doch wird man trotz aller Vorsichtsmaassregeln zuweilen eine Vene verletzen. Zum Glück passirt dann nicht jedesmal das Einströmen von Luft. Tritt es ein und hört man das schlürfende Geräusch, so ist der sofortige Verschluss der Vene mit Finger und Ligatur das sicherste Mittel, die Göfahr des Lufteintritts zu verhüten. Es fragt sich, ob man aber noch etwas direct thun kann, um die Luft zu entleeren. Fischer räth zu hef- tigen, exspiratorisehen Bewegungen. Beim Act der Exspiration soll man die Venen wunde Öffnen und Tuft mit Blut austreten lassen. Wir können uns nicht viel von solchem Versuch versprechen. Wir müssen an dieser Stelle auch noch auf eine bereits von uns angedeutete Gefahr eingehen, welche aus der Verletzung, und zumal aus der Ligatur der Venen erwachsen soll, wir meinen die Gefahr der Thrombose der Vene und die daraus erwachsenden schlimmen Folgen. *) Americ. Journ. IY. Bd. XCIII. p. 38. 1864.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28125873_0057.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


