Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig.
- Franz König
- Date:
- 1883-1889
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Chirurgie für Aerzte und Studirende / von Franz Koenig. Source: Wellcome Collection.
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![umzugestalten. So ziehen wir wenigstens mit vielen Anderen die Catgut- fäden der Seide vor, und gebrauchen letztere nur .ganz ausnahmsweise, lassen sie dann auch direct vor dem Gebrauch noch einmal längere Zeit in Carbolsäure auskochen. Die Seidenfäden haben vor den Catgutfäden den Vorzug besserer Haltbarkeit. Man darf die Catgutfäden beim Binden nicht zu lang fassen. Gebunden wird mit doppeltem, oder wenn man ängstlich ist, mit dreifachem Knoten, und es empfiehlt sich in der Regel, wenigstens bei grösseren Gefässen, die Pincette abzunehmen, und an den Fäden zu ziehen, um sich von der Haltbarkeit der Ligatur zu überzeugen, ehe man sie kurz abschneidet. Für bestimmte Voraussetzungen ist die Umstechung des Ge- fässes ein ausgezeichnetes Ersatzmittel für die Ligatur; zumal dann, wenn blutende Gefässe in derbem Gewebe liegen, sich nicht isolirt vorziehen lassen, oder sich gar stark retrahirt haben, kann man durch Umführung einer krummen Nadel mit kurzer Krümmung einen Faden nachziehen, und nun einen Antheil des Gewebes um das Gefäss und dieses mit zuschnüren. Bei vollkommen aseptischem Verlauf er- wächst aus dem Abschnüren einer grösseren Menge von Gewebe um das Gefäss herum kein Nachtheil. Immerhin muss die Unterbindung als das Normalverfahren festgehalten werden. Wir sind noch nie in die Lage gekommen, die sogenannte percutane Umstechung (Middeldorpf) zu üben, und wir glauben kaum, dass sie jemals'empfehlenswerth ist. Die Blutung aus einer der Haut nahe liegenden Arterie, z. B. der Temporalis, soll bei ihr so bezwungen werden, dass man eine krumme Nadel durch die Haut unter der Arterie herum und wieder zur Haut heraus führt. Der Faden soll dann etwa noch gegen ein Holzplättchen zugeschnürt werden. Er bleibt einige Tage liegen. § 47. Während man früher sich nur sehr ungern dazu entschloss, grosse Venen isolirt zu unterbinden, ist wohl jetzt bei antiseptischer Operation und Verband die Venenunterbindung allgemein geübt. Sie hat auch in der That nur Bedenken, wenn der Ligaturfaden den Anlass zu septischer Entzündung in seiner Umgebung giebt, und wenn sich in Folge davon ein Thrombus mit der Tendenz zu eitrigem Zerfall bildet. Wir kommen darauf bei der Besprechung der Venenthrombose zurück. Weit weniger sicher als die Unterbindung ist die seitliche Ligatur eines Venen- loches. Trotzdem kann man doch in die Eage kommen, das Mittel zu wählen, weil es besser ist als gar keins, unter der Voraussetzung, dass man nicht gut an die ganze Vene kommen, wohl aber einen Faden um das Loch legen kann, nachdem man es durch eine oder zwei seitlich angesetzte Schieberpincetten verschlossen hat. Schede nähte in einem Falle von Verletzung der Femoralvene das seitliche Loch durch eine feine Catgutnath, und darüber die Gefässscheide zusammen. Ebenso wenig ist die Unterbindung des entsprechenden Arterienstammes, welche durch v. Langenbeck in die Praxis eirgeführt wurde, ein ganz sicheres Verfahren zur Stillung der Blutung aus grossen Venen. Unterbindet man bei Verletzung der Femoralvene die Femoralarterie, so wird dadurch der Vene momentan viel weniger Blut zugeführt, und es kann somit die Venenblutung durch leichte Compression gestillt werden. Eine Gefahr für Stauungs- gangrän der Extremität, welche man früher bei Venenunterbindung erwartete, er- wächst übrigens für Femoralis nur in dem Falle, dass man dieselbe gerade unter dem Lig. Poupart. (siehe Spec. Chir. Bd. III., woselbst auch die Mittel besprochen werden, wodurch man der Gangrän vorbeugt) da, wo sie die einzige Communication nach dem Bauch hin abgiebt, unterbindet. Bei weitem die meisten Venenblutungen der Extremitäten sind durch Hoch- lagerung und durch Compressionsverbände] zu stillen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28125873_0090.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)