Lehrbuch der kystoskopie : Ihre technik und klinische bedeutung / Von Dr. Max Nitze.
- Maximilian Nitze
- Date:
- 1889
Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der kystoskopie : Ihre technik und klinische bedeutung / Von Dr. Max Nitze. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
264/378 page 246
![Gesichtsfeldes bewirkt, konnten auch die Ergebnisse der Kystoskopie jenen Grad der Exactheit erhalten, der bei anderen Organen der Untersuchung mit dem Auge eigenthümlich ist. Nur nebenbei sei bemerkt, dass man sich des Kystoskopes auch als Sonde bedienen kann, wenn man sich über die Consistenz eines erblickten Gegenstandes durch das Gefühl unterrichten will. Man kann weiterhin Steine unter Leitung des Auges mit dem Kystoskop wie mit einer Steinsonde percutiren, um sich nach der Höhe des entsprechenden Schalles ein Urthei] über ihre Härte zu bilden; ein Zerspringen des Lämpchens ist nicht zu befürchten. Wenn oben gesagt wurde, dass nur die Sectio alta der Kysto- skopie überlegen sei, dass wir uns nach hoher Eröffnung der Blase ein noch vollständigeres Urtheil über die pathologischen Verän- derungen bilden können, so gilt das nur deshalb, weil sie neben der Inspection zugleich die denkbar vollkommenste Palpation er- möglicht. Berücksichtigen wir nur die Kesultate der Besichtigung, so sind die Bilder, die uns die Kystoskopie von der entfalteten Blasenschleimhaut liefert, unverhältniss- mässig klarer und schöner als diejenigen, welche wir nach hoher Eröffnung der Blase erhalten. Man kann ohne Uebertreibung sagen, dass die Klarheit der endoskopischen Bilder in den für unsere Üntersuchungs-Metbode geeigneten Fällen eine unübertreffliche ist, ja kaum vollkommener gedacht werden kann. An Stelle dieser so klaren Bilder den ent- sprechenden pathologischen Prozess setzen, ist die Aufgabe des Arztes, die bald eine geringe, bald eine grosse Erfahrung er- fordert. Wenn ein gestielter, mit flottirenden Zotten besetzter Pol}^) der Blasenwand aufsitzend gefunden wird, so kann die Deutung des endoskopischen Bildes kaum einem Zweifel unterliegen. Oft aber bietet die Deutung des kystoskopischen Befundes recht bedeutende Schwierigkeit dar und stellt an die üebung und Erfahrung des Untersuchenden die höchsten Ansprüche. So kann, um nur ein Beispiel zu wählen, unter gewissen Verhältnissen die Entscheidung, ob wir es mit einer Geschwulst oder mit den Produkten einer in- tensiven, chronischen Entzündung zu thun haben, sehr schwierig sein_ Auch ein umschriebener, verschleppter Katarrh vermag zu starker](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21211942_0264.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


