Die Faeces des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger.
- Adolf Schmidt
- Date:
- 1905
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Credit: Die Faeces des Menschen im normalen und krankhaften Zustande : mit besonderer Berücksichtigung der klinischen Untersuchungsmethoden / von Ad. Schmidt und J. Strasburger. Source: Wellcome Collection.
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![nahe, dass auch beim Menschen die Entstehung von Arteriosklerose durcli bak- terielle Vorgänge im Darm begünstigt werde. Bei dem Hinsiechen darmkranker Säuglinge spielt nach Czerny und Keller die Säurcintoxication eine wichtige Rolle. Wir liaben gesehen, dass die nonnalcn Darmbaktcrien schädliche AVirkungen entfalten können. Sie thnn es vor Alleni dann, wenn sie in übergrosser Menge gewachsen sind, besonders an Stellen, wo ihre Zahl für gcwöhnlicli beschränkt ist, oder wenn sie günstige Momente zur Aeusserung bestimmter J^ebenseigen- schaften vorfinden, etwa Fäulniss erregen können au Orten, wo sonst nur Gähinmg zu herrschen pflegt. So sind vor Allem Darmkaiarrhe und dyspeptische Zu- stände gewiss sehr oft nur unter Mitwirkung von normalen Bakterien zu Stande gekommen, eine Meinung, die auch von ]\rannaberg^) vertreten wird. Die nützlichen Eigenschaften der Darmbakterien sind trotz alledem so aus- gesprochen, dass wir ihrer nicht cntrathen können. Oiine sie wäre der Darm schutzlos gegenüber den mannigfachsten Infectionen und Intoxicationen. Wir können deshalb dem Bericht von Levin^), dass im liohen Norden der Darm einer Anzahl von Säugethieren annähernd oder sogar ganz bakterienfrei gefunden wurde, keinen Glauben schenken, um so mehr als diesen Angaben be- reits von Chauveau^) entschieden widersprochen wurde. Nun ist zwar der In- testinaltractus mancher niederen Thiere tliatsächlich bakterienfrei. Es gilt dies z. B. für Scorpione, manche Mottenarten*). Aber hier sind die Verhältnisse ganz andere; die Thiere besitzen so ki'äftig wirkende Verdauungssäfte, dass sie auch die eindringenden Bakterien zu verdauen vermögen. Sic schützen sich also selbst und brauchen keine fremde Hülfe. Für das Wohlergehen des Mensclien Jiandelt es sich darum, das syml)io- tische Verhältniss - mit seinen Darmbakterien richtig zu regeln. Er darf weder zu viel noch zu wenig Bakterien beherbergen und die Flora muss die normale Zusammensetzung zeigen. Deshalb sind die Versuche, womöglich den Darm völlig baktei'ienfrei zu raachen, als verfehlt zu bezeichnen. Die wirksamsten Mittel, sich mit seinen Bakterien in das richtige Verhältniss zu setzen, besiizt der normale Darm selbst. Abgesehen von den liypothetischen baktericiden Kräften seiner Epithelien, kommen vor Allem die rechtzeitige Verarbeitung und Resorption der Nahrung in Betraciit, die dafür sorgen, dass für die Bakterien iiicht zu viel Nährmaterial bleibe und die normale Peristaltik, welche die Bak- terien rechtzeitig herausschafft und so ihrer zu grossen Vermehrung vorbeugt. -Der jeweiligen Kraft des Darmes muss deshalb Menge und Aufschliessbarkeit der zugeführten Nahrung entsprecliend sein. Ausser der Menge vermögen wir aucli die Thätigkeit der Darmbakterien und eventuell ihre Art zu beeinflussen. Es ge- lingt dies durcJi Veränderung des Nälu'bodens, und namentlich bei Säuglingen kann man nach dem Vorschlag von Escherich saure Dyspepsien durch ausschliess- liche Verabreichung von Eiweisswasser oder umgekehrt Fäulnisvorgänge im Dick- darm dm-ch Mehlkost heilen. So stehen uns verschiedene wirksame Mittel zu Gebote, um die bakteriellen Leistungen im Darm zu regulieren. 1) Mannaberg, in Nothnagel, .,Die Erkrankungen des Darms und des Peritoneums, 2. Aufl. 1903. S. 29. 2) Annales de l'institut Pasteur. 1901. S. 558. 3) Arcliiv für Hygiene, Bd. 39. S. 426 (persönl. Mittheilung an Bienstock). ,4) Metschnikoff, 1. c. S. 13. 19](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21507715_0315.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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